Navigation und Service

Inhalt

Historische Verantwortung für Israel übernehmen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Washington das Existenzrecht Israels als eine unverrückbare Konstante deutscher Außenpolitik betont. Neben US-Präsident George W. Bush und UN-Generalsekretär Kofi Annan hielt die Bundeskanzlerin eine der Festreden auf der 100-Jahr-Feier des American Jewish Committee (AJC).  

Auch sechs Jahrzehnte nach dem Holocaust sei es alles andere als selbstverständlich, dass eine deutsche Bundeskanzlerin von einer jüdischen Organisation eingeladen wird, betonte Merkel. Und sie erinnerte daran, dass es Juden des AJC waren, die nach dem Zweiten Weltkrieg als erste den Kontakt zu Deutschland wieder aufnahmen.

Deutsche Verantwortung

Mit dem Verbrechen der Shoa habe sich Deutschland unter den Nationalsozialisten eines wichtigen Teiles seiner eigenen Kultur und Identität beraubt, sagte Merkel. Bis heute und in Zukunft sei die Bundesrepublik vor diesem historischen Hintergrund verpflichtet, für Frieden, Freiheit und Demokratie in der Welt einzustehen. Dazu zähle auch, jeder Form von Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten.

Ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem habe ihr diese Verantwortung Anfang des Jahres erneut eindringlich vor Augen geführt. "Mein Land wird alles daran setzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden", versprach die Kanzlerin.

Frieden im Nahen Osten

Mit Blick auf die Situation im Nahen Osten stellte Merkel klar: "Das Existenzrecht Israels ist eine unverrückbare Konstante deutscher Außenpolitik." Niemand dürfe dieses Recht in Frage stellen. Entsprechende Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad seien inakzeptabel und unerträglich.

Nach Überzeugung der Bundeskanzlerin kann ein gerechter und dauerhafter Frieden im Nahen Osten nur in Frieden mit Israel verwirklicht werden. Gleiches gelte für den berechtigten Wunsch der Palästinenser nach einem eigenen, unabhängigen Staat, betonte sie.

Präsident Bush versicherte der jüdischen Festgemeinde, Frieden und Sicherheit für Israel habe für ihn höchste Priorität. Es werde keine Kontakte der US-Regierung mit der seit kurzem regierenden Hamas-Bewegung geben, versprach er.

UN-Generalsekretär Kofi Annan erinnerte daran, dass der AJC zu den wenigen Nichtregierungsorganisationen gehöre, die an der Gründung der Uno beteiligt waren. Er wolle es noch erleben und dafür arbeiten, dass der Staat Israel von allen Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt und respektiert wird.

Zur Geburtstagsfeier des AJC waren aus Deutschland auch der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer und der frühere Bundesinnenminister Otto Schily gekommen. Beide haben sich zu ihrer Amtszeit immer wieder in den Friedensprozess im Nahen Osten eingebracht.

Das American Jewish Committee (AJC) wurde 1906 in New York gegründet. Anlass war die Sorge deutschstämmiger Juden vor dem seinerzeit wachsenden Antisemitismus in Russland. Heute zählt die Organisation über 150.000 Mitglieder und Unterstützer. Das AJC gehört zu den aktivsten und größte amerikanischen jüdischen Gruppierungen. Es verfügt über 33 regionale Gruppen in den USA sowie Büros in Berlin, Brüssel, Genf, Jerusalem und Warschau.

Die Bundesregierung arbeitet vertrauensvoll mit dem AJC zusammen: so bei der Erinnerung an den Holocaust und der Bekämpfung des Antisemitismus. Dazu werden Jugendbegegnungen und gemeinsame Programme organisiert.

Freitag, 05. Mai 2006