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EU-Bürgerdialog

Gut über Europa reden

Wie kann man Europa in Deutschland präsenter machen? Wie geht es weiter nach dem Brexit? Zwei der vielen Fragen, über die Kanzlerin Merkel beim EU-Bürgerdialog in Hannover mit jungen Erwachsenen gesprochen hat. Sie rief die Diskussionsteilnehmer auf, sich an der Europawahl im kommenden Jahr zu beteiligen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Teilnehmern des EU-Bürgerdialogs. "We l.o.v.e. Europe": Unter diesem Motto diskutieren junge Menschen mit der Kanzlerin. Foto: Bundesregierung/Denzel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Hannover ihren Dialog über die Zukunft Europas mit jungen Menschen fortgesetzt. Auf Einladung des Automobilzulieferers Continental diskutierte sie mit jungen Erwachsenen und Betreuern des vom Unternehmen initiierten Pilotprojekts "We l.o.v.e. Europe". Auch Teilnehmer der 2018 von mehreren Unternehmen gestarteten Initiative "Experiencing Europe" nahmen daran teil.

Das von Continental 2017 initiierte Pilotprojekt "We l.o.v.e. Europe" richtet sich an junge Erwachsene ohne Ausbildungs-, Berufs- und Studiumserfahrung. Diese sollen im Rahmen von zwei zweiwöchigen Praktika erste berufsbezogene Erfahrungen an den europäischen Standorten des Unternehmens sammeln. Aus dem Pilotprojekt entstand 2018 die "Experiencing Europe"-Initiative. Sie ist Bestandteil der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) und soll arbeitssuchende junge Erwachsene für ein vereintes Europa begeistern. Weitere Unternehmen haben sich der Initiative angeschlossen, unter anderem Deutz, DHL, Schaeffler, Schmitz Cargobull und Thomas Cook.

Lebensstandards europaweit angleichen

Merkel begrüßte die Initiative "Experiencing Europe": "Die lebendige Erfahrung Europas ist durch nichts zu ersetzen." Viele Diskussionsteilnehmer berichteten von ihren Auslandspraktika. Sie wiesen auf teilweise doch schlechtere Arbeitsbedingungen in Osteuropa hin.

Merkel unterstrich in diesem Zusammenhang, dass es noch immer sehr große Unterschiede bei den Lebensstandards in Europa gebe. Dass sich eine Firma wie Continental dort betätige, sei eine große Chance für diese Länder: "Wir wollen durch EU-Unterstützung dafür Sorge tragen, dass diese Länder aufholen können." Die EU-Fördermittel sollten ein Ansporn sein, dass die Empfängerländer danach streben sollten, irgendwann Nettozahler zu werden.

Von einer jungen Französin angesprochen auf die doch oft sehr nüchterne Kommunikation der Deutschen, riet Merkel, immer wieder das Gespräch zu suchen. Man dürfe sich nicht davon irritieren lassen, wenn Deutsche "beäugen", sie seien meist nur neugierig: "Die allermeisten Deutschen sind offen zu kommunizieren."

Auch nach dem Brexit ein enges Verhältnis

Die Kanzlerin bedauerte erneut die Entscheidung der britischen Bevölkerung für einen Austritt aus der EU: "Mir liegt viel daran, dass wir das in Freundschaft machen. Wir sind befreundete Länder – so eng wie die Briten das möchten." Ob es ein neues Referendum gebe, sei eine rein innerbritische Entscheidung, dazu habe sie nichts zu sagen, ergänzte Merkel.

Insbesondere sprach sie sich für eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung und Außenpolitik aus, aber die Zeit für ein Abkommen dränge. Und: "Tatsache ist, das Verhältnis wird nicht mehr so eng sein wie heute."

Europäische Werte stärken

Merkel erläuterte, dass für sie Freiheit, Demokratie und Toleranz die entscheidenden europäischen Werte sind. Sie rief dazu auf, bei Wahlen, auch der bevorstehenden Europawahl, die Stimme abzugeben. Demokratie seien aber eben auch Minderheitenrechte, eine unabhängige Justiz und eine freie Presse. "Europäische Verschiedenheit ist Bereicherung“, gab sie den jungen Leuten abschließend mit auf den Weg "Ist das nicht schön?"

Warum die europäischen Bürgerdialoge?

Der Bürgerdialog zur Zukunft Europas ist Teil einer europaweit geführten politischen Debatte, an der alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs teilnehmen. Die Bundeskanzlerin und die Bundesministerinnen und Bundesminister beteiligen sich mit einer Reihe von Dialogveranstaltungen in ganz Deutschland. Ihre Dialoge werden ergänzt durch weitere Veranstaltungen zivilgesellschaftlicher Kooperationspartner.
Die Ergebnisse der Dialogveranstaltungen von Bundesregierung und zivilgesellschaftlichen Partnern werden zusammengetragen und von einem unabhängigen Dienstleister wissenschaftlich ausgewertet. Aus den Ergebnissen will die Bundesregierung Rückschlüsse für die zukünftige Ausgestaltung der EU und ihrer Europapolitik ziehen.
Dabei stehen die nationalen Ergebnisse zunächst für sich. Ergänzend werden diese für alle Mitgliedstaaten zusammengestellt und auf dem Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs im Dezember präsentiert. Die Europäische Kommission ergänzt den Bürgerdialog zur Zukunft Europas in den Mitgliedstaaten durch eine Online-Befragung.

Montag, 24. September 2018