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Größerer Regierungssitz

Alles Wichtige zur Erweiterung des Kanzleramtes

Um allen Beschäftigten wieder an einem Standort Platz zum Arbeiten bieten zu können, soll ein Erweiterungsbau für das Bundeskanzleramt entstehen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2023 geplant. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Bauprojekt.

Warum ist ein Ergänzungsbau überhaupt notwendig?

Vor dem Hintergrund kontinuierlicher Aufgabenerweiterungen in der aktuellen und den zurückliegenden Legislaturperioden und dem damit einhergehenden deutlichen Aufwuchs des Personalkörpers ist eine bauliche Erweiterung des Bundeskanzleramtes um bis zu 400 Büroräume erforderlich. In der Vergangenheit konnte der angespannten Raum- und Belegungssituation nur durch Verdichtung und Anmietung zusätzlicher externer Büroräume sowie Verlagerung von Arbeitseinheiten begegnet werden. Diese Problematik soll durch die Errichtung eines Erweiterungsbaues und Zusammenführung aller Berliner Arbeitseinheiten auf der Liegenschaft Willy-Brandt-Straße (sogenannte "Campuslösung") nachhaltig gelöst werden.

Wieso ist der Personalaufwuchs notwendig?

In jeder Legislaturperiode gibt es Aufgaben, die aufgrund ihrer besonderen politischen Bedeutung unmittelbar vom Bundeskanzleramt gesteuert werden. Als Themen seien hier etwa Energiewende, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Bekämpfung von Cyberkriminalität, Brexit und Digitalisierung genannt.

Warum sind neben dem Erweiterungsbau noch weitere Baukörper notwendig?

Der gesamte Post- und Warenverkehr des Bundeskanzleramtes soll künftig zentral in einem solitären Post- und Logistikgebäude bewirtschaftet werden. Dadurch soll eine Entlastung der Hauptzufahrt zur Liegenschaft erreicht werden.
Mit der zentralen Verortung von Palettenstellflächen, Postöffnungsräumen sowie von Schleusen und Röntgenanlagen wird eine Störung des Dienstbetriebes im Hauptgebäude bei Sprengstoff- oder anderen Funden gefährlicher Substanzen und damit Gefährdung des umliegenden, öffentlich stark frequentierten Bereichs verhindert. Zusätzlich werden Parkflächen für Besucher und Gäste geschaffen, die derzeit nicht vorhanden sind. Aus luftverkehrsrechtlichen Gründen muss die derzeitige Hubschrauberlandemöglichkeit im Park auf eine erhöhte Landeplattform verlegt werden. Nur so ist eine Genehmigung gemäß § 6 LuftVG zu erreichen, um den regelmäßig und fortgesetzt erforderlichen Flugbetrieb mit Hubschraubern, auf den die Bundeskanzlerin beziehungsweise der Bundeskanzler angewiesen ist, zu ermöglichen.

Bleibt es bei den Gesamtkosten von 485 Millionen Euro? Ist die Kostenermittlung realistisch? Sind Puffer für Risiken enthalten? Sind "Kostenexplosionen" zu erwarten?

Im Rahmen der Aufstellung der Entscheidungsunterlage Bau wurde eine Kostenermittlung durchgeführt, die derzeit mit der Erstellung der Entwurfsunterlage Bau fortentwickelt wird. Die ermittelten Gesamtkosten betragen danach rund 485 Millionen Euro (Preisstand 2019). In dieser Kostenberechnung wurden grundsätzlich alle wesentlichen Anforderungen (unter anderem technische Gebäudeausrüstung, Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik) und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt, die aber noch im weiteren Planungsverfahren in der erforderlichen Tiefe ausgeplant werden müssen. Die Kostenermittlung erfolgt nach den Vorgaben der RBBau und enthält die zwischen BMI (Oberste Baubehörde) und BMF konsentierten Kostenbestandteile. Sollte sich, wie in den vergangenen Jahren zu beobachten, der Anstieg des Baupreisindexes fortsetzen, würde sich dies auch auf die Höhe der Gesamtkosten auswirken.

Was hat der Neubau seinerzeit gekostet?

Nach der Haushaltsunterlage Bau wurde für den damaligen Neubau des Bundeskanzleramtes (Bestandsgebäude) mit Kosten von 398,5 Millionen DM oder 203,8 Millionen Euro geplant. Die tatsächlichen Kosten betrugen 513 Millionen DM oder 262,5 Millionen Euro (Preisstand 2001). Dies entspricht 435,8 Millionen Euro hochgerechnet auf den Preisstand Ende 2019.

Wie hoch waren die Kosten für das Kanzleramt pro Quadratmeter Nutzfläche?

Mit einer Nutzfläche des Bestandsgebäudes von 25.347 Quadratmeter betrugen die Kosten pro Quadratmeter Nutzfläche 10.356,26 Euro (Preisstand 2001). Hochgerechnet auf Ende 2019 liegt der Wert bei 17.187,84 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche (Preisstand 2019).

Welche Kosten wurden für den Erweiterungsbau pro Quadratmeter Nutzfläche geplant?

Bei einer geplanten Nutzfläche des Erweiterungsbaus von circa 25.600 Quadratmeter und Kosten auf Grundlage der ES-Bau in Höhe von 485 Millionen Euro (Preisstand I/Quartal 2019) betragen die Kosten pro Quadratmeter Nutzfläche circa 18.500 Euro (Preisstand I/Quartal 2019). Die Kosten pro Quadratmeter BGF betragen (ohne die Südbrücke) 7.189 Euro.

Die Projektkosten erscheinen extrem hoch, auch im Vergleich zu anderen Verwaltungs- oder kommunalen Bauten. Warum sind die Kosten so hoch und sind sie wirklich notwendig?

Die Gründe für den gegenüber dem Bestandsbau höheren Wert liegen insbesondere in den höheren Sicherheitsanforderungen beim Erweiterungsbau wegen seiner Errichtung auf der Grundstücksgrenze und in für die Gesamtliegenschaft erforderlichen dienenden Funktionsbereichen wie zum Beispiel dem Hubschrauberlandeplatz. Zudem sind im Vergleich zum Bestandsbau heute deutlich höhere gesetzliche Anforderungen umzusetzen, zum Beispiel zur Energieeinsparung, generell zur Nachhaltigkeit des Bauens oder zur Gewährleistung der Barrierefreiheit, die erheblichen Einfluss auf die Höhe der Gesamtkosten haben.

Warum werden die Baukosten jetzt schon auf 600 Millionen Euro prognostiziert?

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Baupreisentwicklung kann es im Laufe der Baumaßnahme zu Kostenanpassungen kommen. Das BMI hat auf dieser Basis und unter Berücksichtigung der damals aktuellen zu erwartenden Indexsteigerungen bei den Baupreisen eine Abrechnungssumme von circa 600 Millionen Euro prognostiziert.

Warum dauert der Planungs- und Bauprozess so lange? Warum planen Sie vier Jahre? Der Architekt ist doch derselbe, kann er nicht auf bereits vorhandene Planungen zurückgreifen? Die Simulationen gibt es ja schon, man weiß doch also, wie die Erweiterung aussehen wird?

Wegen der herausgehobenen Funktion und seiner Lage im Zentrum des Regierungsviertels besteht bei diesem Bauwerk ein hoher architektonischer Anspruch. Gleichzeitig sind viele unterschiedliche Funktionsbereiche auf engem Raum unterzubringen und hohe technische Anforderungen zu erfüllen. Hierzu bedarf es umfangreicher Planungen mit entsprechendem Zeitbedarf, um Qualität und Kostenziele erreichen zu können. Für die Maßnahme werden zudem die notwendigen, zeitaufwendigen Abstimmungen mit dem Senat von Berlin und den kommunalen Behörden erforderlich, um die planungs- und baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Derzeit liegt ein architektonisches Konzept vor, welches die Grundlage für die weitere integrierte Planung unter Einbeziehung aller Planungsbereiche darstellt. In diesem Sinne stellen die bekannten Perspektiven noch nicht die abschließende Planung dar, sondern lediglich die gestalterische Leitidee. Die Planungszeiträume orientieren sich an den Vorgaben der RBBau, den gesetzlichen Forderungen an die Vergabe- und Genehmigungsverfahren und den Erfahrungen vergleichbarer Bundesbauten dieser Größenordnung. Verkürzungen durch den Rückgriff auf vorhandene Planungen sind wegen des Alters der Planungen (Stand 95-97) und des Fortschreitens des Technisierungsgrades nicht möglich.

Ist die Komplexität der Baumaßnahme beherrschbar oder wird zum Beispiel die Technik zum Projektrisiko?

Ein solches Regierungsgebäude mit umfangreichen funktionalen, gebäude- und sicherheitstechnischen Anforderungen stellt eine komplexe Baumaßnahme dar. Um diese zu beherrschen, ist ein Planungsteam unter Beteiligung der erforderlichen Spezialisten mit der Planung beauftragt. Ergänzend wird das BBR geeignete Maßnahmen zur Qualitätssicherung in den Planungs- und Ausführungsprozess integrieren. Insbesondere wird die im Bereich der technischen Gebäudeausstattung zu erwartende komplexe Phase der Inbetriebnahme in einem gesonderten Prozess frühzeitig geplant.

Werden die vorhandenen Grünanlagen wie zum Beispiel der Uferweg oder die Ingeborg-Drewitz-Allee erhalten und öffentlich zugänglich bleiben? Werden Bäume gefällt?

Die öffentliche Zugänglichkeit des Uferweges und der Ingeborg-Drewitz-Allee für Fußgänger und Radfahrer bleibt erhalten. Zur Realisierung der nördlichen Zufahrt werden einige wenige Bäume gefällt werden müssen. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden die verbleibenden Freiflächen im zentralen Bereich des Kanzlerparks so weit wie möglich erhalten und die Dachflächen des Nord- und Südflügels begrünt werden.

Wird der Hubschrauberlandeplatz zu Lärm- und Staubbeeinträchtigungen der Nachbarn führen? Wie oft und zu welchen Tages- und Nachtzeiten wird geflogen?

Wegen der erhöhten Position der Landeplattform (22 Meter) und deren Positionierung im größeren Abstand zur Wohnbebauung als bisher ist keine höhere Lärm- und Staubbeeinträchtigung zu erwarten. Das Flugaufkommen beträgt wie bisher circa 60 Starts/Ladungen im Jahr in der Zeit zwischen 9.00 Uhr bis 21.00 Uhr. In Ausnahmefällen kann auch außerhalb dieser Zeiten geflogen werden.

Warum ist der Hubschrauberlandeplatz notwendig?

Die Bundeskanzlerin beziehungsweise der Bundeskanzler benötigt aufgrund ihres/seines extrem engen Terminkalenders eine maximale Mobilität, die ohne Hubschraubereinsätze nicht gewährleistet werden kann. Im Zuge des Erweiterungsbaus muss die derzeitige Hubschrauberlandemöglichkeit im Kanzlerpark verlegt werden. Im Rahmen einer Variantenuntersuchung wurde der Neubau einer Hubschrauberlandeplattform als einzige nach § 6 LuftVG genehmigungsfähige und den Flugvorgaben an einen sicheren Lufttransport zulässige Variante ermittelt.

Ist durch die exponierte Lage des Hubschrauberlandeplatzes mit verstärktem Fluglärm zu rechnen?

Mit der neuen Positionierung des Hubschrauberlandeplatzes ist keine Steigerung des Flugaufkommens im Vergleich zur bisherigen Landemöglichkeit verbunden. Durch die erhöhte Lage kommt es zu einer geringeren Belastung der unmittelbaren Umgebung durch Verwirbelungen und Lärm.

Welche Beeinträchtigungen werden die Nachbarn in der Bauphase erdulden müssen, zum Beispiel Lärm, Verkehrsbehinderungen, Wegfall von Stellplätzen?

Eine Baustelle dieser Größenordnung wird temporäre Beeinträchtigungen für die direkte Umgebung mit sich bringen. Im Zuge der Planung und Abstimmung mit den kommunalen Behörden wird großen Wert daraufgelegt, die Auswirkungen für alle Betroffenen möglichst gering zu halten. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich keine konkreten Einschränkungen definieren. Die betroffenen Nachbarn wurden und werden rechtzeitig über erforderliche Maßnahmen unterrichtet.

Wer führt die Baumaßnahme durch? Ist das BBR für die Durchführung ausreichend ausgestattet?

Das BBR Abteilung VI, Referat VI 4 wird die Baumaßnahme durchführen. Es ist mit ausreichend Personal ausgestattet.

Wie ist die Kanzlerwohnung ausgestattet und was kostet dies?

Die Dimensionierung der Amtswohnung orientiert sich an den Raumgrößen für Amtswohnungen herausgehobener deutscher Botschaften im Ausland. Die Ausstattung wird mit dem/der Bundeskanzler/in zu gegebener Zeit im Rahmen der haushaltsrechtlichen Bestimmungen abgestimmt werden. Die Kosten der Amtswohnung sind Bestandteil der Gesamtkosten des Bürogebäudes.

Warum gab es keinen Realisierungswettbewerb?

Es gab einen Realisierungswettbewerb für das bestehende Kanzleramt. Aufgrund des geprüften Urheberrechtes von Schultes Frank Architekten, die 1993 als erste Preisträger aus einem Realisierungswettbewerb für das heutige Bestandsgebäude des Bundeskanzleramtes hervorgegangen waren, wurde das Büro nun auch mit der Planung für den Erweiterungsbau beauftragt.

Wie wird mit dem Thema Vogelschlag bei den Wintergärten umgegangen und ist eine Überdachung der Nordbrücke vorgesehen?

Bei der Planung des Gebäudes sollen die mit dem Einsatz von Glasflächen verbundenen Gefahrenquellen für Vögel – Durchsicht, Spiegelung und Beleuchtung – berücksichtigt und minimiert sowie vogelfreundliche Lösungen gefunden werden. Dazu soll zum Beispiel der Leitfaden "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" sowie die neuesten Erkenntnisse zum Thema herangezogen werden. Eine Überdachung der Nordbrücke als Wetterschutz ist nicht vorgesehen. Hierfür ist auch die Tragfähigkeit der Brücke nicht gegeben.

Warum besteht der Bedarf nach einer zusätzlichen Brücke? Ist die Brücke für die Öffentlichkeit nutzbar?

Der Bedarf für die zusätzliche Fußgängerbrücke ergibt sich aus der zukünftigen
Nutzung der gesamten Liegenschaft. Mit Inbetriebnahme des Post- und Logistikbereiches besteht die Notwendigkeit, Post und Waren sowohl in den Erweiterungsbau als auch in das Bestandsgebäude zu transportieren. Dies soll nach derzeitigen Überlegungen mittels Elektrofahrzeugen erfolgen, die tagsüber regelmäßig zwischen den Gebäuden hin und her pendeln und zu einer hohen Frequentierung der bestehenden Nordbrücke führen werden. Zu ihrer Entlastung wird eine zusätzliche Fußgängerbrücke benötigt. Die untere Ebene dieser Brücke ist für die öffentliche Nutzung vorgesehen. Darüber hinaus muss jederzeit die interne Erreichbarkeit des Bestands- wie des Erweiterungsbaus gegeben sein. Mit nur einer Brücke wäre dies im Falle von Unfällen, Havarien oder im Wartungsfall nicht gewährleistet. Nicht zuletzt wird die zusätzliche Fußgängerbrücke für die medientechnische Verbindung der beiden Gebäude benötigt, über die eine teilweise technische Redundanz hergestellt werden soll. Dies ist über die Bestandsbrücke aufgrund begrenzter Flächen nicht möglich.

Wie ist das Konzept der Baustelleneinrichtung und welche Flächen werden dafür benötigt?

Die beengten örtlichen Gegebenheiten sowie die Anforderungen an die Sicherheit der Baustelle erfordern die Inanspruchnahme von Flächen außerhalb des geplanten Baufeldes. Dies sind derzeit die Fläche südlich des Zollpackhofs am Wendehammer, im Mittelstreifen der Ingeborg-Drewitz-Allee sowie optional die angrenzende Grünfläche des Birkenhains. Die Baustellenzufahrt erfolgt über die Elisabeth-Abegg-Straße, um die Verkehrsbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner so gering wie möglich zu halten. Innerhalb des Baufeldes ist eine Verdichtung der Baustelleneinrichtung bauablauftechnisch nicht weiter möglich. Die von dem zu erwartenden Aufkommen des Baustellenverkehrs ausgehenden Gefahren sollen durch die Verlagerung eines Großteils des Verkehrs innerhalb des umzäunten Baufeldes minimiert werden. Die Zugänglichkeit von der Ingeborg-Drewitz-Allee zur Elisabeth-Abegg-Straße wird durch den Bau eines Rad-/Gehweges entlang des Standortes der Feuerwehr/Polizei Berlin sichergestellt.

Was passiert mit dem Robinienwäldchen?

Der ökologisch wertvolle Bereich des Robinienwäldchens wird während der Bauphase umzäunt und besonders gesichert. Der ursprüngliche Charakter des Robinienwäldchens bleibt auch nach Fertigstellung der Baumaßnahme erhalten. Das Wäldchen wird weiterhin öffentliche Grünanlage sein.  

Wie erfolgt die Zuwegung zum Baufeld?

Erste Überlegungen sehen vor, dass der Baustellenverkehr über die Elisabeth-Abegg-Straße zum Baufeld über eine zentrale Zufahrt in Verlängerung des derzeitigen Wendehammers geführt wird. Die Be-/Entladung des Materials soll innerhalb des Baufeldes erfolgen. Vorstauzonen für Baustellenfahrzeuge sind in der Elisabeth-Abegg-Straße und der Mittelinsel in der Straße Alt Moabit vorgesehen.

Wie erfolgt die zukünftige Zuwegung zum Erweiterungsbau?

Für den Mitarbeiter/-innen- und Besuchsverkehr des Erweiterungsbaus, zur Entlastung des derzeitigen Einfahrtbereiches der Hauptwache sowie zur Annahme und Kontrolle von Post und Waren für die gesamte Liegenschaft ist vorgesehen, auf einem angrenzenden Bundesgrundstück (Flurstück 657) außerhalb der Liegenschaft Kanzlerpark einen Post- und Logistikbereich mit vorgelagerter Fahrzeugunterbodenkontrolle sowie Parkflächen für Busse und Fahrzeuge der Besucher/-innen zu schaffen, von wo aus man zum Erweiterungsbau fährt. Die öffentliche Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer beleibt bestehen.  

Werden bei der Baumaßnahme Nachhaltigkeitsaspekte und Naturschutz berücksichtigt?

Das Gebäude wird nach neusten energetischen Standards errichtet, welches dem Niveau eines Energieeffizienzgebäude Bund 40 entspricht. Ferner ist die BNB-Zertifizierung Silber angestrebt, wie bei Bundesbauten üblich. Für das Bürogebäude sind eine Dach- und Fassadenbegrünung sowie eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Die eingeschossigen Bauteile erhalten ebenfalls Dachbegrünungen. Es werden dauerhafte Maßnahmen zum Schutz der Bäume insbesondere Wurzel-, Stamm- und Kronenschutz getroffen. Bei der Energieversorgung werden unter anderem regenerative Energien berücksichtigt.

Wird der Kanzlerpark nach Fertigstellung der Baumaßnahme für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein?

Aus Sicherheitsgründen bleibt der Kanzlerpark wie bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Einmal im Jahr, Ende August, besteht allerdings die Möglichkeit, im Rahmen des Tags der offenen Tür der Bundesregierung das Bundeskanzleramt zu besuchen.

Werden im Umfeld des Bundeskanzleramtes im Zuge der Baumaßnahme weitere Parkplätze im Außenbereich entfallen?

Der Verzicht auf eine Umzäunung erfordert einen Sicherheitsbereich um den Erweiterungsbau, der ein unkontrolliertes Befahren durch Fahrzeuge verhindert.
Dazu muss die Umfahrung am Ende der Joachim-Karnatz-Allee um einige Meter zurückgebaut werden. Damit einher geht der Wegfall einer geringen Anzahl von Stellplätzen.

Wann wird mit den Arbeiten auf der Baustelle zu rechnen sein?

Der Baubeginn ist für das Jahr 2023 geplant. Die Bauzeit wird voraussichtlich vier Jahre betragen.  

Warum sind im Vergleich zu normalen Kitas die Kosten für die geplante Kita so hoch?

Die Kita ist Bestandteil des Gesamtkonzeptes, mit allen energetischen und sicherheitstechnischen Maßnahmen. Daher können die einzelnen Baukosten der Kita nicht mit denen kommunaler Kitas verglichen werden.

Warum erfolgt die Erschließung des Erweiterungsbaus über ein Tunnelbauwerk?

Erste Gespräche mit dem Straßen- und Grünflächenamt des Bezirksamtes Berlin-Mitte im Frühjahr 2017 sahen eine einvernehmliche, abgestimmte oberirdische Erschließung von der Elisabeth-Abegg-Straße durch die öffentliche Grünanlage zum Erweiterungsbau vor. Im Zuge der sogenannten Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange wurde erstmals im August 2020 die oberirdische Erschließung durch den Bezirk und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen abgelehnt und als alternative und einzig genehmigungsfähige Lösung ein Tunnelbauwerk benannt. Begründet wurde dies unter Verweis auf das Berliner Grünanlagengesetz mit den Gefährdungen für Fußgänger und Radfahrer durch das zu erwartende Verkehrsaufkommen zum Erweiterungsbau sowie mit der Befürchtung, dass die Grünanlage später aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt werden könnte.

Wurden alternative Erschließungsmöglichkeiten geprüft?

Alternativ zu der nun vorgesehenen Erschließung von Nord-Ost über die Elisabeth-Abegg-Straße wurden im Zuge der Planung verschiedene Varianten untersucht. Die Erschließungsvarianten aus westlicher Richtung über die Ingeborg-Drewitz-Allee oder die Joachim-Karnatz-Allee wurden dabei als nicht realisierbar bewertet, da auch hierbei eine Querung öffentlicher Grünanlagen notwendig gewesen wäre. Zudem wäre es bei diesen Varianten schwer gewesen, die Sicherheitsanforderungen des Bundeskanzleramtes mit dem Anspruch eines für den Bürger möglichst frei zugänglichen Umfelds in Einklang zu bringen. Eine andere geprüfte Variante bezieht sich auf die Nutzung der Nordbrücke sowie der bestehenden Hauptzufahrt und Hauptwache an der Willy-Brandt-Straße. Die existierende einspurige Nordbrücke ist nicht für den Dauerverkehr ausgelegt, da hier Höhen- und Lastbeschränkungen vorliegen. Gegen einen möglichen Neubau einer zweispurigen Nordbrücke sprechen nicht nur Kostengründe, auch Logistik- und Sicherheitsaspekte schließen diese Variante aus.

Welche Kosten entstehen durch den Tunnelbau?

Aufgrund der erforderlichen Umplanungen und des größeren Bauvolumens ist nach ersten Planungen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie mit zusätzlichen Kosten in Höhe von etwa 39 Millionen Euro (Preisstand Oktober 2020) zu rechnen. Die kalkulierten Kosten beinhalten sowohl die Konstruktion des Tunnelbauwerks selbst, als auch die durch die geänderte Erschließung hervorgerufenen Änderungen am Büro- und Post- und Logistikgebäude sowie anteilige Planungskosten.

Dienstag, 27. Oktober 2020