Navigation und Service

Inhalt

Deutschland/Schweiz

Grenznahen Fluglärm messen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem ersten offiziellen Besuch in der Schweiz vor allem über verkehrspolitische Fragen gesprochen. Die Schweiz plant den Ausbau des grenznahen Flughafens Zürich-Klothen und möchte den deutschen Flugraum stärker nutzen. Beide Länder wollen zunächst eine gemeinsame Datenbasis über die derzeitige Verkehrs- und Lärmbelastung erstellen.

„Wir werden die Gesamtbelastung analysieren. Und wir werden das gemeinsam tun“, sagte die Kanzlerin nach ihrem Gespräch mit Bundespräsident Pascal Couchepin. Beider Wunsch sei es, in dieser langjährigen Diskussion nicht wieder „ewig Zeit verstreichen“ zu lassen.

Verkehrsbelastung analysieren

In Deutschland herrscht seit einigen Jahren ein Flugverbot in den Morgen- und Abendstunden, um Anwohner vor einer hohen Lärmbelästigung zu schützen. Die Schweizer wollen eine Lockerung dieser Regelung erreichen, um den weiteren Ausbau des Flughafens voranzutreiben.

Dadurch würde sich die Zahl der An- und Abflüge rund um Zürich deutlich erhöhen. Zurzeit liegen sie jährlich bei 270.000 Starts und Landungen, bis 2020 sollen sie auf 400.000 steigen. Die Schweiz möchte daher eine großzügigere Nutzung des deutschen Luftraums erreichen.

„Wir haben versucht, einen praktischen Weg zu finden, um einer Lösung näher zu kommen“, sagte Couchepin. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe wird sich vor allem mit der Lärmbelastung befassen. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für einen Vorschlag, den die Schweiz vorlegen wird. Dieser bildet dann die Grundlage für weitere Verhandlungen.

Informationsaustausch verbessern

Ein weiteres Thema des Treffens war das Bankgeheimnis in der Schweiz. „Ich habe vernommen, dass die Schweiz natürlich stolz ist auf ihr Bankgeheimnis“, so die Kanzlerin. Dies sei auch ein Stück Schweizer Identität. Allerdings könne sich Deutschland eine weiter gehendere Zusammenarbeit vorstellen.

In der Schweiz ist Steuerhinterziehung keine Straftat, sondern eine bloße Ordnungswidrigkeit. Das gilt auch für Ausländer. Die Konsequenz: deutsche Steuerfahnder bekommen keine Unterstützung vom Nachbarland.

Als Beispiel für eine künftige Zusammenarbeit nannte die Kanzlerin das bilaterale Abkommen zwischen den USA und der Schweiz. Dieses Abkommen lockert das Bankgeheimnis gegenüber den amerikanischen Steuerbehörden.

Iranisches Atomprogramm

Beide Regierungschefs sprachen natürlich auch über internationale Fragen. So hat die Schweiz einen Liefervertrag über Gas mit Iran abgeschlossen. Europa dürfe langfristig nicht nur von einem Lieferanten abhängig sein, stellte Couchepin fest.

Merkel sprach sich generell gegen eine zu starke Abhängigkeit gegenüber Teheran aus. „Deutschland steht dem Nuklearprogramm des Iran sehr kritisch gegenüber“, unterstrich die Kanzlerin erneut.

Europameisterschaft steht vor der Tür

Die Schweiz richtet zusammen mit Österreich die Fußball-Europameisterschaft im Juni aus. Ein Sportereignis, auf das auch Deutschland gespannt wartet. Die drei Nachbarländern haben eine enge Grenzzusammenarbeit vereinbart, um sichere Europameisterschaften zu garantieren.

„Wir wissen, wie ein Fußballereignis ein Land verändern kann“, erinnerte die Bundeskanzlerin an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Zurück an den Anfang des Universums

Danach stand ein Rundgang auf dem Programm, auf den sich die Bundeskanzlerin ganz besonders freute. Von Hause aus promovierte Physikerin besuchte sie die Europäische Organisation für Kernforschung in Genf: das CERN.

Dort wird im Herbst ein riesiger Teilchenbeschleuniger mit einer Länge von 27 Kilometern in Betrieb genommen, um physikalische Grundlagenforschung voranzutreiben. Denn grundsätzliche Fragen sind immer noch nicht beantwortet: Aus welchen Bausteinen besteht Materie? Und welche Kräfte halten sie zusammen? Wie hat sich das Universum entwickelt?

Um diese Fragen zu lösen, wird in Genf der Urknall simuliert. Mit dem neuen Teilchenbeschleuniger wird es erstmals möglich sein, Elementarteilchen mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander prallen zu lassen. Eine Situation, wie sie auch zu Beginn des Universums vorherrschte.

Auf die neuen Erkenntnisse warten alle Wissenschaften gespannt, die sich mit Mikrostrukturen beschäftigen: von der Nanotechnologie über die Medizin und Biologie bis zur Chemie, der Physik oder den Material- und Ingenieurwissenschaften.

Die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf ist das größte und bedeutendste Forschungszentrum für Teilchenphysik weltweit. Mit 20 Mitgliedsstaaten hat sich CERN seit der Gründung 1954 zu einem herausragenden Vorbild europäischer Zusammenarbeit in der physikalischen Grundlagenforschung an Großgeräten entwickelt. Deutschland finanziert den Etat von rund 650 Millionen Euro (2007) zu rund 20 Prozent. Am CERN arbeiten rund 2.600 Mitarbeiter, und mehr als 8.300 Gastwissenschaftler aus rund 60 Staaten besuchen die Forschungsstätte
Im Dezember 2007 wurde Prof. Rolf-Dieter Heuer einstimmig zum neuen Generaldirektor gewählt. Heuer ist zurzeit Forschungsdirektor beim Großforschungszentrum Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg. Er tritt sein neues Amt am 1. Januar 2009 an. In der über 50-jährigen Geschichte von CERN wird damit zum zweiten Mal nach Herwig Schopper (1981-1988) ein Deutscher an der Spitze von CERN stehen. Seine Wahl ist auch eine besondere Anerkennung für den hohen Leistungsstand der Elementarteilchenphysik in Deutschland.

Dienstag, 29. April 2008