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Merkel auf Katholikentag

Gemeinsame Werte einen Europa

Bundeskanzlerin Merkel hat auf dem Deutschen Katholikentag in Regensburg die gemeinsamen Grundwerte der europäischen Länder betont. Nur deshalb sei die europäische Einigung möglich gewesen. Das sagte sie in ihrer Eröffnungsrede zu einer Diskussionsrunde mit der Frage "Hat die Welt noch einen Platz für Europa?".

Bundeskanzlerin steht am Rednerpult, im Hintergrund Logo des Katholikentages Bundeskanzlerin Merkel: "Wir sind zu unserem Glück vereint in Europa." Foto: Bundesregierung/Bergmann

Die unantastbare Würde des Menschen sei der Ausgangspunkt, führte Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. Daraus leiteten sich die politischen und gesellschaftlichen Handlungsweisen ab - die Grundwerte Freiheit, Verantwortung, Gerechtigkeit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Europa bringe damit drei Versprechen zu den Menschen: das Versprechen auf Frieden, auf Freiheit und auf Wohlstand.

In der Nachkriegszeit sei der Friedensauftrag unmittelbar greifbar gewesen, so Merkel. Den Frieden aber dauerhaft nach innen und außen zu erhalten, bleibe auch im 21. Jahrhundert eine Aufgabe. "Wir müssen extremistischen, menschenverachtenden Tendenzen, die es leider auch in Europa gibt, immer wieder entschieden entgegentreten", mahnte sie.

Der 99. Deutsche Katholikentag findet vom 28. Mai bis 1. Juni in Regensburg statt. Er steht unter dem Leitwort: Mit Christus Brücken bauen. Veranstalter sind das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) und die gastgebende Diözese Regensburg.

In der Ukraine-Krise auf Dialog setzen

Ein Krieg zwischen den EU-Staaten sei heute undenkbar, sagte die Kanzlerin. Der Blick auf die Ukraine zeige jedoch, "wie nah auf unserem europäischen Kontinent solche Auseinandersetzungen noch sind."

Die Annexion der Krim verstoße gegen das Völkerrecht. Dies sei deshalb so gravierend, weil es etwas anrühre, "was sozusagen das Fundament unserer europäischen Nachkriegsordnung ist, nämlich die territoriale Integrität der Staaten". Deshalb könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte Merkel.

Der Unterschied zu vergangenen Zeiten aber sei: "Wir setzen auf Gespräche, wir setzen darauf, dass wir solche Probleme lösen können." Allerdings sei auch sehr klar: "Die Stärke des Rechts darf nicht gegen das Recht des Stärkeren ausgespielt werden, sondern die Stärke des Rechts wird sich durchsetzen."

Europa muss sich fairem Wettbewerb stellen

Wohlstand zu erhalten sei in Zeiten der Globalisierung eine weitere große Aufgabe für Europa. Es müsse sich dem Wettbewerb mit Asien und Lateinamerika stellen."Denn es ist ja unser Wunsch, dass nicht nur wir in Wohlstand leben, sondern möglichst viele Menschen auf der Welt."

Merkel sprach auch die Beziehungen zu Afrika an. Es sei wichtig, die Milleniums-Entwicklungsziele zu erfüllen. Europa solle das nicht mit einer Art "caritativem Anspruch" tun, sondern auf "Augenhöhe mit anderen".

Kirchen als Mahner von Gesellschaft und Politik

Besonders ging die Kanzlerin auf die Rolle der Kirchen in der Gesellschaft ein. Kirchen seien immer wieder Mahner, betonte sie. Sie brächten sich durch ihre Organisationen ein, leisteten Hilfe und verbreiteten das, "was uns wichtig ist". Die richtige Balance zu finden sei entscheidend: andere anzunehmen, aber gleichzeitig von den eigenen Überzeugungen getragen zu sein. "Das ist die Kunst, die wir als Europäer auch weltweit immer wieder zeigen müssen."

Abschließend stellte Merkel heraus, was Freiheit für Europa bedeutet. "Wir sind uns unsere Verantwortung bewusst. Wir verstehen Freiheit als eine Freiheit in Verantwortung für andere Menschen. Wir wollen gerne Brückenbauer auch jenseits Europas sein."

Nach ihrer Rede und der Teilnahme an der Diskussionsrunde würdigte die Kanzlerin bei einem Rundgang auf der Katholikentagsmeile das soziale Engagement der Kirche. Sie informierte sich über die Arbeit der rund 5.000 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Verbands für Mädchen- und Frauensozialarbeit "In Via". Dieser setzt sich für benachteiligte Jugendliche und junge Mütter ein.

Der erste Deutsche Katholikentag fand am 3. Oktober 1848 in Mainz als "Generalversammlung des katholischen Vereins Deutschlands" statt. Von 1914 bis 1920 und 1933 bis 1947 wurden keine Katholikentage abgehalten. Seit 1970 ist das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken Träger des Katholikentages.1992 wurde in Karlsruhe der erste Katholikentag nach der Wiedervereinigung eröffnet.

Samstag, 31. Mai 2014