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Grußwort zum jüdischen Neujahrsfest

Für Verständigung und Versöhnung

Bundeskanzlerin Merkel sendet allen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern und ihren Familien beste Wünsche zum Neujahrsfest Rosch Haschana 5776. Das Fest beginnt am Sonntag bei Sonnenuntergang und dauert bis zum 15. September.

Orthodoxer Jude bläst die Schofar, eine Posaune aus Widderhorn. Jude mit Schofar: Die Posaune aus Widderhorn wird beim jüdischen Neujahrsfest geblasen. Foto: picture alliance / dpa

Zu Rosch Haschana grüße ich Sie alle herzlich und wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden in Deutschland, Israel und der ganzen Welt ein gesegnetes und glückliches Neujahrsfest. Mögen Friede, Gesundheit und Wohlergehen Sie alle im Neuen Jahr begleiten.

Hinter uns liegen Monate, in denen wir an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor siebzig Jahren und die Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager erinnert haben. Mit dieser Befreiung durch die Alliierten wurde dem Zivilisationsbruch der Shoa ein Ende gesetzt. Die Vergangenheit mahnt uns, nicht zu vergessen. Verbrechen gegen die Menschlichkeit verjähren nicht. Aus der Erinnerung erwächst uns der Auftrag, das Wissen über die Verbrechen von damals weiterzugeben und das Erinnern wachzuhalten.

Ich bin dankbar, dass es in unserem Land eine lebendige Erinnerungskultur gibt. Von zentraler Bedeutung sind dabei die KZ-Gedenkstätten. Als Lernorte für zukünftige Generationen sorgen sie dafür, dass das Wissen über das Geschehene wachgehalten wird, gerade dann, wenn es einmal keine Zeitzeugen mehr geben wird. Gedenkstätten befördern die Erziehung zu Demokratie und Toleranz.

Im Bewusstsein für die Verantwortung vor unserer Geschichte bleibt es beständige Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass alle Menschen in unserem Land – unabhängig von Religion oder Herkunft – ein Leben in Frieden und Sicherheit führen können. Es ist beschämend, dass es auch heute noch zu antisemitischen Vorfällen in Deutschland und anderen europäischen Staaten kommt. Dagegen müssen wir mit aller Konsequenz vorgehen. Nie wieder dürfen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland und Europa eine Chance bekommen. Ich danke deshalb allen herzlich, die sich mit viel Ausdauer und Energie für Weltoffenheit und ein gedeihliches Miteinander in unserem Land einsetzen.

Dieses Jahr ist auch ein ganz besonderes Jahr in den Beziehungen Deutschlands zum Staat Israel. Im Mai haben wir den fünfzigsten Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland gefeiert. Heute sind unsere beiden Länder so eng miteinander vernetzt wie nie zuvor. Eine enge wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit, ein intensiver Jugendaustausch und eine Vielzahl von Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden sind Ausdruck der vitalen Beziehungen zwischen unseren Ländern.

Mit dem Rückblick auf fünfzig Jahre deutsch-israelische Beziehungen verbindet sich für mich die hoffnungsvolle Botschaft, dass Verständigung und Versöhnung möglich sind. Lassen Sie uns in diesem Sinn zuversichtlich in das Neue Jahr 5776 blicken. Hoffen wir gemeinsam auf ein friedliches gutes Jahr – Schana Towa.

Sonntag, 13. September 2015