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"Jugend forscht" 2017: Preis der Bundeskanzlerin

Faszination der Ringe

Johannes Greiner und Stephan Wagner haben Kanzlerin Merkel ihre preisgekrönte Forschung zu den Liesegangschen Ringen vorgestellt. Im Interview sprachen die beiden Jungforscher zuvor über die Faszination der Chemie, engagierte Lehrer und ihren unerwarteten Sieg.

Johannes Greiner und Stephan Wagner haben den Preis der Bundeskanzlerin beim Bundeswettbewerb Jugend Forscht 2017 gewonnen. Der Chemie auf der Spur: Johannes Greiner und Stephan Wagner haben im Labor Liesegangsche Ringe nachgebildet. Foto: Stiftung Jugend forscht e. V.

Das Interview im Wortlaut:

Johannes und Stephan, wie seid ihr auf die Idee gekommen, bei "Jugend forscht" mitzumachen?

Johannes: Der Lehrer hat uns inspiriert. Wir haben in der Schule ein halbes Jahr lang Experimente in einem Experimentierkurs in Chemie gemacht. Als wir dann mit den Versuchen fertig waren, haben wir gesagt: Wir machen bei "Jugend forscht" mit und schauen einfach mal, wie weit wir kommen.

Stephan: Am Ende des Experimentierkurses haben wir genau aufgeschrieben, was wir da eigentlich gemacht haben und das Ganze zu einer Art Arbeit zusammengeschrieben. Wir wollten unsere Arbeit natürlich auch präsentieren und ein Feedback von Experten darüber bekommen, ob die wissenschaftliche Ausarbeitung etwas taugt.

Johannes: Wenn man dann auch wirklich bei den einzelnen Wettbewerben gewinnt, ist das natürlich total motivierend. Es ist schön zu wissen, dass die Jury gut findet, was man gemacht hat.

Das Phänomen der Liesegangschen Ringe
Bestimmte Metallsalze können stabile Kristalle bilden und beeindruckende ringförmige Strukturen ausbilden. Johannes Greiner und Stephan Wagner haben untersucht, wie diese sogenannten Liesegangschen Ringe in Gelatinegel entstehen. Sie variierten bei ihren Experimenten Temperatur, Gelatinegehalt, Metallionen und Lösemittel und stellten fest, dass vor allem die Abstände der Ringe von Temperatur und Ionenkonzentration abhängen. Darüber hinaus bestätigen ihre Versuche die gängige Annahme, dass die Ringe immer dann besonders scharf und klar sind, wenn kleine Kristalle sich zu größeren zusammenlagern. Für ihre Experimente wählten die beiden Jungforscher ungiftige Metallsalze, sodass die Ringbildung auch im Schulunterricht nachvollzogen werden kann.

Ihr habt euch mit dem Phänomen der Liesegangschen Ringe beschäftigt. Wie seid ihr auf das Thema gekommen und was hat euch daran fasziniert?

Stephan: Auf das Thema sind wir durch den Experimentalkurs gekommen, bei dem wir Versuche zum Phänomen der Ringbildung gemacht haben. Irgendwann haben wir dann andere Metallsalze als Reaktionsstoff verwendet, was zum Beispiel die Farbe der Ringe verändert hat. Das hat uns so fasziniert, dass wir weitere Parameter verändert haben. So sind dann immer neue Versuchsreihen entstanden.

Johannes: Die Ergebnisse, also die Ringe, sehen auch einfach sehr schön aus. Und wenn man dann noch bestimmte chemische Zusammenhänge herstellen kann, ist das schon cool. Zum Beispiel haben die Metallionen, die wir verwendet haben, unterschiedliche Eigenschaften. Bei unseren Experimenten konnten wir dann genau beobachten, was sich beim Ergebnis verändert. Das hat mich fasziniert.

Welche Schwierigkeiten gab es bei euren Versuchen?

Stephan: Die Versuche zu den Liesegangschen Ringen kann man ganz umfangreich gestalten: Alle möglichen Stoffe, die man da reintut, kann man verändern oder austauschen. Da ist es wichtig, sich zu beschränken, wenn man einzelne Zusammenhänge genauer erforschen will.

Johannes: Einmal ist auch etwas Unerwartetes passiert. Wenn man von Versuch zu Versuch immer mehr Metallkationen dazugibt, sollte bei allen Versuchsreihen das Gleiche passieren, nämlich dass mehr Ringe entstehen. Bei einer Versuchsreihe sind es aber weniger geworden. Wir haben dann erst auf einem Wettbewerb eine Erklärung dafür gefunden – das hängt mit den spezifischen Metalleigenschaften zusammen. Aber am Anfang war das sehr verwirrend.

Was bringt euch "Jugend forscht" für eure persönliche Zukunft und euren beruflichen Weg?

Johannes: Ich denke, dass "Jugend forscht" auf jeden Fall positive Auswirkungen hat. Bei Arbeitgebern und an den Unis ist der Wettbewerb sehr angesehen. Vielleicht macht es uns das später einfacher, einen Job zu finden. Vor "Jugend forscht" war ich außerdem ein bisschen hin und her gerissen, weil ich auch Informatik gerne mag. Davor hätte ich mir auch gut vorstellen können, Informatik zu studieren. Jetzt will ich aber lieber Richtung Chemie gehen.

Stephan: Ich weiß noch nicht genau, wo es für mich beruflich hingehen soll. Ich bin eigentlich für alles offen. Davon abgesehen macht es natürlich auch einfach Spaß, bei den Wettbewerben dabei zu sein. Da lernt man viele neue Leute kennen und schließt auch neue Freundschaften.

Nach der Schule ins Labor: Johannes Greiner (16) und Stephan Wagner (15) haben sich den Sieg bei "Jugend forscht" in ihrer Freizeit erarbeitet. Nach dem Unterricht führten sie im Chemielabor ihrer Schule im bayerischen Krumbach ihre Versuchsreihen durch. Für Johannes Greiner steht fest, dass er auf jeden Fall weitermachen will mit der Chemie. Ein neues Forschungsprojekt hat er aber noch nicht im Blick. Stephan Wagner überlegt noch. Für ihn spielt der hohe Zeitaufwand nach der Schule eine Rolle und eines ist ihm wichtig: "Wenn man so etwas anfängt, dann muss man es auch richtig machen."

Ihr habt den Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit gewonnen und könnt Angela Merkel euer Projekt bald persönlich vorstellen. Worauf freut ihr euch am meisten?

Stephan: Ich freue mich auf zwei interessante Tage in Berlin, auch weil wir dann die anderen Gewinner wiedersehen. Auf jeden Fall wird es auch spannend, der Bundeskanzlerin unser Forschungsprojekt vorzustellen. Einer solchen Person das eigene Projekt vorzustellen, dazu bekommt man nicht oft die Möglichkeit.

Johannes: Die Bundeskanzlerin persönlich zu treffen, ist auf jeden Fall toll, das passiert ja auch nicht jedem. Es war für uns auch sehr überraschend, dass wir den Preis der Bundeskanzlerin gewonnen haben. In der Kategorie Chemie waren wir nicht dabei, den Preis haben andere gewonnen. Da haben wir schon gedacht, dass wir vielleicht gar nichts gewonnen haben. Als wir dann am Ende doch noch aufgerufen wurden, war das natürlich toll.

Was ist aus eurer Sicht wichtig, um bei "Jugend forscht" erfolgreich zu sein?

Stephan: Man braucht sicher einen engagierten Lehrer, der einen Anfangsimpuls gibt, gerade auch bei der Wahl des Themas. Unser Thema war eher ungewöhnlich, da kommt man als Jugendlicher nicht unbedingt von alleine drauf. Und man braucht natürlich auch jemanden, der einem zur Seite steht, wenn man zum Beispiel Räumlichkeiten braucht wie ein Chemielabor mit Ausstattung.

Johannes: Für unsere Forschung hat die Ausstattung in unserer Schule ausgereicht. Ein viel wichtigerer Punkt ist aber eine gute Betreuung. Du brauchst Leute, die dich motivieren, die Ahnung haben und dir ein bisschen "Nachhilfe" geben. Was wir machen, ist nicht alles auf Schulniveau lösbar. Man braucht da Leute von der Uni, die beim Grundverständnis helfen und bei den Wettbewerben unterstützen. Ich glaube, das ist fast wichtiger, als immer alle Mittel zu haben.

Seit 1965 ermittelt Jugend Forscht Deutschlands beste Nachwuchsforscher. Bis zur Teilnahme am Bundeswettbewerb mussten sich Johannes Greiner und Stephan Wagner zunächst auf Regional- und Landesebene gegen andere talentierte Jungforscher durchsetzen. Nach dem bayrischen Landessieg bereiteten sie sich in einem Seminar mit Experten aus ihrem Fachgebiet intensiv auf den Bundeswettbewerb vor. Die Arbeit hat sich gelohnt: Für ihr Forschungsprojekt haben sie den mit 3000 Euro dotierten Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit gewonnen.

Montag, 19. Juni 2017