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Es wird keine Umdeutung der Geschichte geben

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Forderungen der Preußischen Treuhand entschieden zurückgewiesen. Die Klagen der Vertriebenenorganisation "haben keinerlei Unterstützung meiner Bundesregierung. Sie werden sie auch nie bekommen", sagte Merkel vor polnischen Studentinnen und Studenten an der Universität Warschau.

"Es kann keine Umdeutung der Geschichte durch Deutschland geben, und es wird keine Umdeutung der Geschichte geben", betonte Merkel. Aus der schrecklichen Zeit des Nationalsozialismus sei unwiderruflich eine Lehre zu ziehen: Nur indem die eigene Vergangenheit zu jeder Zeit voll und ganz angenommen werde, könne Zukunft gestaltet werden.

Damit erteilte sie den Klagen der Preußischen Treuhand vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eine deutliche Absage. Die Vertriebenenorganisation klagt auf Entschädigungen für Deutsche, die nach 1945 Polen verlassen mussten.

Natürlich verstehe und unterstütze sie das würdevolle Gedenken deutscher Flüchtlinge an Flucht und Vertreibung aus ihrer Heimat, machte die Kanzlerin deutlich. Aber im deutschen Namen sei Polen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts unendlich viel Leid und Schmerz zugefügt worden. Sechs Millionen Polen hatten während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren.

Beziehungen mit Leben erfüllen

Umso wichtiger sei es, dass durch gemeinsame Bemühungen inzwischen ein neues Fundament für eine gute gemeinsame Zukunft geschaffen wurde, betonte die Kanzlerin. Sie verwies dabei auf die Anerkennung der bestehenden Grenzen und den deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991. "Das sind nur wenige Meilensteine der Arbeit", so Merkel.

Besonders erfreut zeigte sich die Kanzlerin über das Engagement des deutsch-polnischen Jugendwerks. Über 1,5 Millionen Jugendliche haben bereits an Austauschprogrammen teilgenommen. "Und es sollen noch mehr werden", forderte Merkel.

Bis heute sind über 600 deutsch-polnische Städtepartnerschaften entstanden. Und die deutsche Minderheit ist fest im polnischen Lebensalltag verankert: "Wir sind dankbar, dass sich deren Lage seit der Wende deutlich verbessert hat", freute sich die Kanzlerin.

Für die künftigen deutsch-polnischen Beziehungen zeigte sich die Kanzlerin optimistisch. Über die Jahre sei ein festes und unzerstörbares Netz zwischen Polen und Deutschland entstanden. "Dieses Netz auch in Zukunft immer enger zu knüpfen - darauf sollten wir unsere Energie verwenden", beschrieb die Kanzlerin die zukünftige Zusammenarbeit.

Freitag, 16. März 2007