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Mitschrift Pressekonferenz

Im Wortlaut

Eingangsstatement von Bundeskanzlerin Merkel anl. der Eröffnung der Plenarsitzung im Rahmen der 13. deutsch-polnischen Konsultationen am 27. April 2015

in Warschau

Wir trauern am heutigen Tage gemeinsam um Wladyslaw Bartoszewski, und wir verneigen uns vor dem Lebenswerk von Wladyslaw Bartoszewski.

Er hat 1986 bei der Verleihung des Deutschen Friedenspreises gesagt, als er über die Versöhnung sprach: „Vielleicht ist es auch mir vergönnt, daran weiter mitzuwirken.“ Damals konnte er noch nicht wissen, welche Möglichkeiten für dieses Mitwirken sich ganz wesentlich, auch hervorgerufen durch Solidarność, ab 1989/90 ergeben haben.

Heute haben wir einen deutsch-polnischen Vertrag, der unsere Freundschaft untermauert und mit Leben erfüllt. Ohne Wladyslaw Bartoszewski wäre das Werk der deutsch-polnischen Freundschaft vielleicht nicht so gelungen oder ganz sicher nicht so gelungen. Er hat es vermocht, aus dem dunkelsten Kapitel der Geschichte unserer beiden Völker ein Werk der Versöhnung und dann der Freundschaft zu machen - weil er aufrichtig war, weil er eine Haltung hatte, die darauf aus war, Probleme, die es gab, zu meistern.

Ich sage ganz persönlich: Jede meiner Begegnungen mit ihm war mir ein Quell von Kraft und von Hoffnung, auch Dinge, die heute noch schwer erscheinen, überwinden zu können und lösen zu können. So ist es, glaube ich, ganz, ganz vielen gegangen, die ihm begegnet sind.

Er hat mit unendlicher Liebe und mit unendlichem Engagement auch im hohen Alter keine Reise nach Deutschland gescheut, um etwas für die deutsch-polnische Freundschaft zu tun. Genauso hat er auch hier im Lande gewirkt. Deshalb fehlt er uns heute. Und doch sind diese deutsch-polnischen Regierungskonsultationen geradezu symbolhaft für das, was er sich gewünscht hat. Deshalb glaube ich - meine Kollegin Ewa Kopacz hat eben die ganzen Felder genannt, auf denen wir unsere Zusammenarbeit mit Leben erfüllen können -, dass wir uns am besten an ihn erinnern, indem wir mit Ansporn und mit großer Kraft für die deutsch-polnischen Beziehungen und die deutsch-polnische Freundschaft auch in Zukunft arbeiten.

Wir haben viel geschafft: Es wird ein gemeinsames Geschichtsbuch geben; es gibt das Deutsch-Polnische Jugendwerk und vieles andere mehr, was in die Zukunft weist. Es gibt eine ganz enge Kooperation zwischen unseren beiden Ländern, gerade entlang der deutsch-polnischen Grenze. Das alles wollen wir entwickeln, und dazu sollen die heutigen Regierungskonsultationen beitragen.

Ich möchte im Namen der gesamten Bundesregierung noch einmal mein Beileid zum Tod von Wladyslaw Bartoszewski der gesamten polnischen Regierung und dem polnischen Volk übermitteln. Sein Lebenswerk soll uns Ansporn für alles sein, was wir in Zukunft tun.

Danke schön!

Montag, 27. April 2015