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25 Jahre Deutsche Einheit

Ein Traum wird Wirklichkeit

An diesem Wochenende feierte Deutschland den 25. Jahrestag seiner Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit. Bundeskanzler Helmut Kohl sagte damals in einer Fernsehansprache, ein Traum werde Wirklichkeit. Der junge Filmregisseur Nico Kreis, der für die Bundesregierung den Kinospot zum Jubiläum gedreht hat, spricht von einem Geschenk.

"Liebe Landsleute! In wenigen Stunden wird ein Traum Wirklichkeit. Nach über vierzig bitteren Jahren der Teilung ist Deutschland, unser Vaterland, wieder vereint", so Helmut Kohl in seiner Fernsehansprache am Abend des 2. Oktober 1990 wörtlich.

Nur etwas mehr als ein Jahr nach der Friedlichen Revolution in der DDR, knapp elf Monate nach dem Mauerfall trat die DDR dem "Geltungsbereich des Grundgesetzes" bei, wie es offiziell hieß. Die frei gewählte Volkskammer hatte das am 23. August 1990 mit überwältigender Mehrheit beschlossen.

Unwahrscheinlich spannende Monate

Es seien elf arbeitsreiche, aber auch unwahrscheinlich spannende Monate gewesen, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Video-Podcast.

Sie erinnert an die Dynamik der Ereignisse, die sich entwickelte, nachdem immer mehr Menschen in der DDR "Wir sind das Volk" gerufen hatten. Die wichtigsten Ereignisse der Jahre 1989 und 1990 im Zeitraffer:

  • 7. Mai 1989 – DDR-Bürgerrechtler können die Fälschung der Kommunalwahlen nachweisen. Die Opposition gegen das SED-Regime wächst.
  • 27. Juni 1989 – Die Außenminister Österreichs und Ungarns durchtrennen symbolisch den Grenzzaun. Der "Eiserne Vorhang" bekommt ein Loch, durch das im Sommer Tausende von DDR-Bürgern in die Freiheit fliehen.
  • 9. Oktober 1989 – Bei der Leipziger Montagsdemonstration kapituliert die Staatsmacht vor der Menschenmenge. Die Bilder gehen um die Welt. Es ist der erste große Sieg der Friedlichen Revolution.
  • 9. November 1989 – Nach der Verkündung eines neuen DDR-Reisegesetzes erzwingen Ost-Berliner die sofortige Öffnung der Grenze. In dieser Nacht fällt die Berliner Mauer – der Anfang vom Ende der deutschen Teilung.
  • 28. November 1989 – Bundeskanzler Helmut Kohl stellt im Deutschen Bundestag sein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" vor. Die "Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands" sei das Ziel seiner Regierung.
  • 18. März 1990 – Bei der ersten freien Volkskammerwahl erhalten die Befürworter einer raschen Wiedervereinigung eine große Mehrheit. Lothar de Maizière wird vier Wochen später der erste und letzte frei gewählte DDR-Ministerpräsident.
  • 20. März 1990 – Das Bundeskabinett beschließt, der DDR eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion anzubieten. Die Vorbereitungen laufen mit Hochdruck.
  • Juli 1990 – Die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR tritt in Kraft. Die D-Mark wird in der DDR offizielles Zahlungsmittel.
  • 16. Juli 1990 – Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow erklärt sich gegenüber Bundeskanzler Kohl damit einverstanden, dass Deutschland nach der Wiedervereinigung frei und souverän über seine Bündniszugehörigkeit entscheiden kann.
  • 31. August 1990 – Nachdem die Volkskammer dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik zugestimmt hat, unterzeichnen die Unterhändler beider Staaten den Einigungsvertrag.
  • 12. September – Die beiden deutschen Staaten und die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs unterzeichnen den "2+4-Vertrag". Er garantiert dem wiedervereinigten Deutschland volle Souveränität.
  • Oktober 1990 – Um null Uhr ist Deutschland wiedervereinigt. Millionen von Menschen feiern in Berlin und im ganzen Land das Ende der Teilung nach über 40 Jahren.

Die vollständige Chronik der Ereignisse zwischen Januar 1989 und Oktober 1990 finden Sie hier.

Die Phase der Ernüchterung

Auf den Jubel und die Freude über das Ende der deutschen Teilung folgt allerdings bald ein Stück weit Ernüchterung. Denn die Hinterlassenschaften des SED-Regimes sind schlimm: Die Wirtschaft befindet sich in einem katastrophalen Zustand, fast durchweg sind die Industrieanlagen marode. An effiziente Produktion ist in weiten Teilen kaum zu denken.

Historische Innenstädte sind dem Verfall preisgegeben. Straßen und Autobahnen seit Jahren nicht instandgesetzt. Die Umwelt ist verschmutzt, mancherorts sogar verseucht.

Es ist nicht die Schuld der Menschen, die in der DDR gelebt und gearbeitet haben. Sondern es ist das Versagen des "real existierenden Sozialismus" und seiner Planwirtschaft. Jahrzehntelang hat die "Diktatur des Proletariats" die Menschen nicht nur unterdrückt, sondern auch um die Früchte ihres Fleißes betrogen.

Solidarität beim "Aufbau Ost"

Fußgängerzone von Güstrow Bild vergrößern In Ostdeutschland erstrahlen heute alte Häuser in neuem Glanz. Foto: Judith Affolter

1990 heißt es also, die Ärmel hochzukrempeln: Der "Aufbau Ost" ist eine gesamtdeutsche Aufgabe. Der Bund investiert Milliarden, alte Länder helfen den neuen, westdeutsche Städte ihren Partnerstädten. Es ist eine Solidarität, wie sie noch niemand in Deutschland erlebt hat. Von 1990 bis 1994 erhalten die neuen Länder 82 Milliarden Euro aus dem "Fonds Deutsche Einheit", im Rahmen des "Solidarpakts I" von 1995 bis 2004 Gelder aus dem Länderfinanzausgleich und zusätzlich 20,6 Milliarden Euro jährlich vom Bund. Von 2005 bis 2019 gilt der "Solidarpakt II", für den der Bund insgesamt 156,5 Milliarden Euro bereitstellt.

In vielen Lebensbereichen zeigen sich die Verbesserungen rasch: im Gesundheitswesen, beim Umweltschutz, in den Innenstädten oder bei den Verkehrswegen. Doch der wirtschaftliche Aufholprozess gestaltet sich mühsam und oft auch schmerzhaft. Weil viele Betriebe nicht konkurrenzfähig sind und schließen müssen, steigt die Arbeitslosigkeit in den ersten Jahren rasant. Viele Unternehmensgründungen scheitern. Erst nach und nach siedeln sich neue Firmen an, die dauerhaft Erfolg haben. Inzwischen existieren zahlreiche, vor allem mittelständische Unternehmen, die sich gut am Markt behaupten können. Mitunter gehören sie sogar zu den "Hidden Champions", den heimlichen Siegern im internationalen Wettbewerb. Doch trotz vieler wirtschaftlicher Erfolge ist die Arbeitslosigkeit in den meisten neuen Ländern noch immer höher als im Westen, sind noch Kraftanstrengungen nötig.

Und heute?

Gleichwohl: Der aktuelle "Jahresbericht zur Deutschen Einheit" belegt, dass der Aufbau Ost insgesamt gelungen ist. Die Bilanz der vergangenen 25 Jahre kann sich sehen lassen. Deutschland hat große Fortschritte bei der Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West gemacht. Die Wirtschaftsleistung hat sich in den neuen Ländern mehr als verdoppelt, die Zahl der Arbeitslosen ist auf ein Rekordtief gesunken.

"Ob es um Lebensqualität im Allgemeinen oder um Infrastrukturen im Besonderen geht – heute sind zwischen den neuen und alten Bundesländern kaum noch Unterschiede festzustellen. Wir haben die Folgen der sozialistischen Misswirtschaft weitgehend überwunden. So kurz und nüchtern diese Feststellung auch sein mag, dahinter stehen Jahre gewaltiger Kraftanstrengungen und großer Solidarität in unserem Land", schreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vorwort zur Broschüre "25 Jahre Freiheit und Einheit".

In den vergangenen Monaten hat die Bundesregierung mit einer "Deutschlandreise" auf das Wiedervereinigungsjubiläum aufmerksam gemacht. Sie war in 20 deutschen Städten zu Gast. Letzte Station ist an diesem Wochenende das große Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit in Frankfurt am Main.

Für diese Tour hat das Bundespresseamt einen Seecontainer zu einem "Sehcontainer" umbauen lassen: Auf vier Bildschirmen sind Ausschnitte aus Originalfilmen zu sehen. Sie erinnern an wichtige Ereignisse der vergangenen 70 Jahre und zeigen Beispiele für die Entwicklung der neuen Bundesländer in den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung. Die Videos finden Sie auch hier.