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Kanzlerin erhält Ohel-Jakob-Medaille

Ein Abend der Hoffnung und Zuversicht

Bundeskanzlerin Merkel hat die Ohel-Jakob-Medaille in Gold erhalten. An diesem Abend "verbinden sich das Erinnern und Gedenken mit Hoffnung und Zuversicht", so Merkel in ihrer Rede. Es sei großartig, was jüdische Gemeinden an religiöser Einbindung und gesellschaftlicher Teilhabe erreicht hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Verleihung der Ohel-Jakob-Medaille in München. Merkel: Müssen uns entschieden gegen die heutigen Bedrohungen durch Hass und Antisemitismus wenden. Foto: Bundesregierung/Kugler

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ohel-Jakob-Medaille in Gold erhalten. Die Auszeichnung würdigt den Einsatz der Bundeskanzlerin für die Interessen der jüdischen Gemeinschaft, gegen jede Form von Antisemitismus sowie ihr entschlossenes Bekenntnis zum Staat Israel. Die Auszeichnung sei eine außerordentliche Ehre, betonte Merkel.

Erinnerungen wach halten

In ihrer Rede verwies sie auf die Bedeutung des 9. November. "Es war vor 78 Jahren, am 9. November 1938, als sich die nationalsozialistische Ideologie deutlich wie nie vor aller Augen offenbarte." Schon in den Jahren zuvor habe es massive Diskriminierung und Übergriffe gegeben. Doch in der Nacht vom 9. auf den 10. November habe sich die Gewalt nicht nur spontan gezeigt, "sondern generalstabsmäßig geplant – in aller Öffentlichkeit".

"Wir sind es den Opfern der Schoah wie auch uns selbst heute schuldig, das Wissen um das Geschehene von Generation zu Generation weiterzugeben und uns entschieden gegen die heutigen Bedrohungen durch Hass und Antisemitismus zu wenden", hob die Kanzlerin hervor. Sie betonte wie wichtig es sei, die Erinnerung an die Verbrechen Deutschlands im Nationalsozialismus, wach zu halten.

Es braucht Verständigung

"Heute Abend verbinden sich das Erinnern und Gedenken mit Hoffnung und Zuversicht", so Merkel. Die neue Ohel-Jakob-Synagoge sei vor zehn Jahren eingeweiht worden. Nun dürfe man feiern, dass mit ihr jüdisches Leben weithin sichtbar in die Mitte Münchens zurückgekehrt sei.

Hinsichtlich heutiger Integrationsprozesse sagte Merkel: "Dort, wo Alt und Neu aufeinandertreffen, brauche es Verständigung – über Werte, über Regeln, über Gewohnheiten –, um auf einem gemeinsamen Fundament aufbauen zu können." Dies sei auch bei den vielen Menschen wichtig, die in Deutschland gerade im vergangenen Jahr Zuflucht vor Krieg, Terror und Verfolgung gesucht und gefunden haben.

Spracherwerb, Ausbildung und Arbeit seien zentrale Schlüssel, um sich neue Perspektiven zu erschließen. Doch es brauche noch mehr, "um in unserem Land wirklich Fuß zu fassen – um zu verstehen, was unsere Gesellschaft und unser Miteinander ausmachen", so die Kanzlerin. Es gehöre auch dazu, die deutsche Geschichte zumindest in Grundzügen kennenzulernen – auch und gerade einschließlich des dunklen Kapitels der Schoah.

Weltoffenheit und ein gutes Zusammenleben

Merkel betonte, die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern stünden für Weltoffenheit und ein gutes Zusammenleben "natürlich im Freistaat Bayern und in unserem ganzen Land". In den vergangenen zehn Jahren hätten sich besonders diese Synagoge und das Gemeindezentrum zu einem Ort des Dialogs und der Begegnung entwickelt, so Merkel.

Die Ohel-Jakob-Medaille in Gold ist die höchste Auszeichnung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Mit ihr ehrt die Gemeinde Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben.

Die Medaille trägt den Namen der am 9. November 2006 eingeweihten neuen Münchner Hauptsynagoge und der am 9. November 1938 von den Nazis zerstörten Synagoge in der Herzog-Rudolph-Straße. Sie zeugt damit von der Ambivalenz in der Geschichte der Juden in München: Trauer und Schmerz, Hoffnung und Entschlossenheit sind untrennbar verbunden. Zerstörung der Heimat und Heimkehr sind die zwei Seiten der Ohel-Jakob-Medaille.

Donnerstag, 10. November 2016