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Gedenken

Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma

Hunderttausende Menschen in ganz Europa wurden während des Nazi-Regimes als "Zigeuner" verfolgt und ermordet. Bei der Einweihung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Leid der Opfer nie zu vergessen.

Blick auf die Stele im Zentrum des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Gestaltet wurde das Denkmal von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma (Detail) Foto: Stiftung Denkmal / Marko Priske

An der feierlichen Einweihung des "Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas" nahmen neben der Bundeskanzlerin auch Bundespräsident Joachim Gauck sowie Bundestagspräsident Norbert Lammert teil. Außerdem Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma, sowie Überlebende des Völkermords und deren Angehörige.

Für sie ergriff der niederländische Holocaust-Überlebende Zoni Weisz das Wort. In einer bewegenden Rede erinnerte er an das Schicksal all jener, die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurden: Kinder, Frauen und Männer als Sinti und Roma, als Angehörige der Gruppe der Jenischen oder als andere Fahrende.

"Erinnern ist Teil unseres demokratischen Selbstverständnisses"

Die Kanzlerin dankte allen Überlebenden für ihr Kommen. Das Mahnmal gelte einer öffentlich viel zu lange und zu wenig wahrgenommenen Opfergruppe. Es "erinnert an die vielen Hunderttausend Sinti und Roma, an die im Nationalsozialismus als so genannte Zigeuner Verfolgten ‑ darunter auch die Jenischen ‑, deren Leben die unmenschliche Rassenpolitik des nationalsozialistischen Terror-Regimes zerstörte."

Jedes einzelne Schicksal dieses Völkermordes sei eine Geschichte unfassbaren Leids. "Jedes einzelne Schicksal erfüllt uns, erfüllt mich mit Trauer und Scham", so Merkel.

"Erinnern ist Teil unseres demokratischen Selbstverständnisses". Durch das Denkmal im Zentrum Berlins zwischen Brandenburger Tor und Reichstag werde das Gedenken in unsere Mitte geholt. Gleichzeitig sei es eine Mahnung für die Zukunft, wachsam zu sein, Minderheiten zu schützen, Verantwortung zu übernehmen, sagte die Bundeskanzlerin.  

Mahnung für Toleranz und Menschenrechte

Kulturstaatminister Bernd Neumann bezeichnete das Denkmal als einen "wichtigen Baustein in der deutschen Erinnerungskultur". Mit ihm werde dokumentiert, dass der Völkermord an den Sinti und Roma Teil des historischen Gedächtnisses unseres Landes sei.

Das Denkmal sei aber nicht nur dem Gedenken gewidmet. Es sei gleichzeitig Mahnung für mehr Toleranz und eine Aufforderung, gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma anzugehen, so Neumann.

Bundeskanzlerin Merkel bei der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Bild vergrößern Gedenken an die Opfer Foto: Bundesregierung/Steins

Denkmalentwurf von Dani Karavan

Entworfen wurde das Denkmal von dem israelischen Künstler Dani Karavan.

Karavan ging es darum, einen Ort des Nachdenkens und der würdevollen Ehrung für die Ermordeten zu schaffen. Am Rande des Berliner Tiergartens gestaltete er ein Mahnmal, dessen Zentrum ein runder, schwarzer Brunnen bildet. Auf einem versenkbaren, dreieckigen Stein liegt eine täglich frische Blüte als Zeichen der Trauer und der Erinnerung. Begleitet wird dieser optische Eindruck von einem dauerhaften Geigenton.

Auf dem Rand des Brunnens ist in englischer und deutscher Sprache ein Zitat aus dem Gedicht „Auschwitz“ des italienischen Rom Santino Spinelli angebracht. Umgeben ist das Denkmal von mehreren Tafeln. Auf ihnen ist in deutscher und englischer Sprache die Chronologie des Völkermords widergegeben.

Die Chronologie im Wortlaut

Das Gedicht von Sandro Spinelli im Worlaut

Mehrjährige Entstehungsgeschichte

Erste Überlegungen zur Errichtung eines nationalen Denkmals in Erinnerung an die im Nationalsozialismus ermordeten europäischen Sinti und Roma gab es bereits 1992. Danach dauerte es allerdings noch mehrere Jahre bis es realisiert werden konnte. Grund war eine kontrovers geführte Diskussion zwischen den Opferverbänden vor allem über die Frage der Inschriften.

Auf Initiative von Kulturstaatsminister Bernd Neumann einigten sich die Beteiligten schließlich auf die Anbringung einer „Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma“. Erarbeitet wurde dieser Text gemeinsam mit Historikern des Instituts für Zeitgeschichte in München und des NS-Dokumentationszentrums in Köln. Das Ergebnis wurde 2007 vom Bundesrat und vom Ausschuss des Bundestages für Kultur und Medien ausdrücklich begrüßt. Baustart war im Dezember 2008.

Der Bund hat den Bau des Denkmals mit rund 2,8 Millionen Euro finanziert. Das Land Berlin stellte das Denkmalgrundstück südlich des Reichstagsgebäudes zur Verfügung. Die Bauleitung und Bauausführung lag beim Land Berlin. Betreut wird das Denkmal von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Mittwoch, 24. Oktober 2012