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Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Mittwoch, 18. September 2013

Laufende Nr.:
321
Ausgabejahr:
2013

Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Tod von Marcel Reich-Ranicki:

Mit tiefer Trauer habe ich vom Tod Marcel Reich-Ranickis erfahren. Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie. Dass dieser Sohn einer jüdischen deutsch-polnischen Familie, der Eltern und Verwandte in den Vernichtungslagern der Nazis verloren hatte, sein Zuhause wieder in Deutschland fand und unserem Land so viel gegeben hat, gehört zu den Ereignissen der Nachkriegszeit, für die wir nur dankbar sein können. Unvergessen bleibt mir seine Rede aus Anlass des Holocaust-Gedenktages im Jahre 2012 im Deutschen Bundestag.

Wenn er Kritiker war, und oft ein strenger Kritiker, so doch spürbar immer aus Liebe zur Literatur. Nicht einmal der mörderische Hass der Nazis konnte Marcel Reich-Ranicki diese Liebe besonders zu den deutschen Dichtern austreiben.

Marcel-Reich Ranicki hat für die Buchkultur in Deutschland Herausragendes geleistet. Ob im Feuilleton oder auf der großen Bühne des Fernsehens, er hat Millionen mit seiner Begeisterung, manchmal auch mit seiner schroffen Ablehnung zum Lesen und zur Auseinandersetzung mit Büchern verführt. Er hat für viele erfahrbar gemacht, dass der Zauber von Literatur den Menschen ganz wesentlich ausmacht, dass die Literatur ihn im Extremfall sogar überleben lässt.

Ich werde diesen leidenschaftlichen und brillanten Mann vermissen. Meine Anteilnahme und mein Mitgefühl gelten Marcel Reich-Ranickis Sohn Andrew.