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Zukunftsdialog

Bürgergespräch in Bielefeld

100 Bürgerinnen und Bürger diskutierten mit der Bundeskanzlerin die Frage "Wovon wollen wir leben?". Beim Austausch in der Stadthalle bewegten vor allem die Themen Wohlstand, Innovation und Arbeit. Den Bürgergesprächen soll bald ein eigener Jugenddialog folgen.

„Wir spielen heute Abend ein wenig verkehrte Welt, denn ich höre mir jetzt Ihre Anregungen an“, sagte die Bundeskanzlerin bei der Begrüßung der Bielefelder Teilnehmer. In der Universitätsstadt war unter anderem die akademische Bildung Thema: Einige Teilnehmer machten sich für stabile berufliche Perspektiven von Lehrpersonal an Hochschulen stark. Eine weitere Teilnehmerin sprach sich gegen die zunehmende Akademisierung vieler Berufe aus: Im Interesse einer gerechten und leistungsfähigen Arbeitswelt solle auch die duale Ausbildung, beispielsweise in den Pflegeberufen, mehr Wertschätzung erhalten.

Beim Thema Meisterbrief gingen die Meinungen dann auseinander. So setzte sich der Handwerksmeister Matthias Aufderheide für den Meisterbrief als Qualitätsmerkmal des deutschen Handwerks ein und sprach die Nachwuchssorgen der Handwerker an. Markus Tuch, Friseurmeister aus Bielefeld, kritisierte die oft unmotivierten Lehrlinge aus Maßnahmen der Jobcenter. Daher mache eine engere Abstimmung zwischen Schulen und Berufsausbildern großen Sinn. Die Kanzlerin stimmte ihm zu und versprach, sich für einen besseren Übergang in die betriebliche Ausbildung, so etwa durch mehr Berufsberatung in den Schulen, einzusetzen.

Teilnehmer wollen Sicherheit im Alter

Viele bewegte die Frage nach Sicherheit im Alter: Eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbständige war der Vorschlag von Wilfried Vollmer. Weitere Anregungen reichten von der Berücksichtigung von Erwerbspausen vor allem bei Frauen bis hin zur Frage, inwiefern die Erziehung von Kindern bei der Rente berücksichtigt werden kann. Ein weiterer Vorschlag galt der Einführung einer Basisrente für alle. "Rente ist auch Lohn für Lebensleistung", sagte die Bundeskanzlerin und kündigte an, die Vorschläge aufzunehmen.

Familie und Beruf vereinen

Auch im Erwerbsleben wünschen sich viele mehr Planungssicherheit. Lucia Leal, Justiziarin beim FC Schalke 04, regte an, den Wiedereinstieg für Frauen nach der Elternzeit – vor allem beim Jobwechsel - zu erleichtern und durch staatliche Anreize für die Unternehmen zu stärken. „Vor allem der Kündigungsschutz nach der Elternzeit muss dringend verbessert werden“, ergänzte die Bielefelder Rechtsanwältin Manuel Rahle.

Jugenddialog folgt

Auf Anregung eines Teilnehmers, mehr junge Menschen in den Dialog zu holen, antwortete die Bundeskanzlerin mit einer Ankündigung: "Wir machen noch einen Jugend-Dialog. Nur mit Jugendlichen - zwischen 12 und 17".

Merkel dankte den Teilnehmern und warb um Verständnis, dass wegen der vielen Fragen nicht alle zu Wort kommen konnten.„Jeder von Ihnen hat sich eine Menge Gedanken gemacht“, resümierte sie am Ende des Bürgergesprächs. Jetzt komme es darauf an zu prüfen, welche Vorschläge schnell umsetzbar seien.

Das Bielefelder Bürgergespräch war eine von drei Veranstaltungen dieses Formats. Am 29. Februar hatte bereits in Erfurt ein Bürgergespräch stattgefunden. Dort ging es um die Frage „Wie wollen wir zusammen leben?“. Am 14. März in Heidelberg drehte sich das Gespräch um das Thema „Wie wollen wir lernen?“. Die Gespräche sind Teil des Zukunftsdialogs, bei dem die Bundeskanzlerin auch einen Expertendialog mit Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft führt. Ziel ist, vielfältige Handlungsvorschläge für die politische Arbeit zu gewinnen. Der Dialog findet zudem im Internet statt: Bis zum 15. April sind auch hier Vorschläge zu Deutschlands Zukunft gefragt.

Mittwoch, 28. März 2012