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Standort Deutschland

Besuch in einer Erfinderregion

Wer auf den Weltmärkten an der Spitze mitspielen will, muss immer wieder aus neuem Know-how innovative Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Welche Bedingungen es dafür braucht, davon hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Technologieregion am Bodensee ein Bild gemacht.

Angela Merkel mit Ingenieuren vor einem großen Satelliten im Bau Hightech vor Ort: Satellitenbau Foto: REGIERUNGonline/Denzel

Drei Hightech-Unternehmen standen auf dem Besuchsplan der Kanzlerin in und um Friedrichshafen. Von hier aus hatte schon Graf Zeppelin vor über hundert Jahren mit seinem innovativen Luftfahrzeug die halbe Welt beeindruckt.

Heute entwickeln hier kluge Köpfe die Satelliten und Fahrzeugantriebe der Zukunft. Nebenbei erproben Jung und Alt die erste vollvernetzte Stadt Deutschlands.

Angela Merkel im Reinraum der Fertigung, im Kreise weiterer Besucher Bild vergrößern Satellitenbau Foto: REGIERUNGonline/Denzel

Der Satellitenhersteller Astrium, der frühere Zeppelinzulieferer und heutige Antriebsspezialist ZF sowie das Projekt T-City bewiesen der Kanzlerin, dass der Geist des kühnen Grafen fortlebt. Zum Beispiel im Satellitenprojekt Swarm, beauftragt von der Europäischen Raumfahrtagentur, realisiert am Bodensee. Drei aufeinander abgestimmte Satelliten sollen ab 2012 das Magnetfeld der Erde aus dem All neu vermessen: wichtig für Navigationssysteme oder Berechnungen des Klimawandels.

„Mit den Satelliten sind wir nicht nur in Deutschland sehr gut im Geschäft, sondern vor allen Dingen auch in anderen Ländern“, hob Angela Merkel bei EADS Astrium hervor. Im Rahmen der Hightech-Strategie werde die Bundesregierung die Raumfahrtforschung auch künftig nach Kräften fördern, versprach sie.

Auf die Köpfe kommt es an

Sie kommen aus ganz Deutschland, und es zieht sie zu Unternehmen im Süden des Landes: Raumfahrtingenieure, Softwareexpertinnen, Maschinenbauer und Mechatroniker. Der Kanzlerin berichteten die Nachwuchsfachkräfte von einer praxisorientierten Verzahnung von Studium und Ausbildung einerseits und betrieblicher Ausbildung andererseits. So könnten sie schon früh Verantwortung in der Entwicklung übernehmen.

Angela Merkel mit Ministerpräsident Mappus, ZF-Chef Härter und weiteren Besuchern Bild vergrößern Getriebefertigung bei ZF Foto: REGIERUNGonline/Denzel

Der neue 8-Gang-Getriebebaukasten der ZF etwa gibt der Elektromobilität in aller Welt neuen Schwung. Ausgerichtet auf alle bisher entwickelten Hybridantriebe handelt es sich um das erste Stufenautomatikgetriebe mit einer Stopp-Start-Funktion. Die ermöglicht an der Ampel einen Neustart innerhalb einer Drittelsekunde. Und spart noch einmal 11 Prozent Sprit im Vergleich zum bereits sparsamen Vormodell.

Zu Beginn der Neunzigerjahre habe Deutschland die Hybridtechnologie zunächst vernachlässigt, erinnerte sich die Kanzlerin aus ihrer Zeit als Umweltministerin. „Doch ZF ist ein gutes Beispiel dafür, wie man auf höchster Stufe in einer Hochtechnologie den Anschluss wiedererlangen kann“, so Merkel weiter.

Die vernetzte Stadt: gut für Jung und Alt

Satelliten, Rechner und Getriebe sind das eine, Ingenieurskunst „Made in Germany“, die in der Welt einen guten Ruf genießt. Ebenso wichtig sind heutzutage jedoch Dienstleistungen und Anwendungen, die aus moderner Technik umfassende Lösungen entstehen lassen.

Angela Merkel verfolgt eine Bildschirmpräsentation Bild vergrößern T-City: Anwendungen für alle Altersgruppen Foto: REGIERUNGonline/Denzel

Friedrichshafen ist „T-City“. Hier hat die Deutsche Telekom bereits realisiert, was im ganzen Land noch Zukunftsmusik ist: fast 100 Prozent Abdeckung mit schnellem Internet (V-DSL). Und der Konzern fördert in der schwäbischen Kreisstadt verschiedenste Entwicklungen und Anwendungen, die das schnelle Netz erst möglich macht: Zum Beispiel interaktive Lernprojekte für Schulen (E-Learning). Oder kabellose medizinische Meldesysteme, mit denen ältere Menschen und chronisch Kranken einfacher und länger zu Hause leben können (E-Health).  Und regionale Einkaufsportale mit einfachen Bildschirmoberflächen.

Familie Bachmann gehört zu den „Zukünftlern“ des T-City-Projekts, die neue Anwendungen kostenlos testen und erproben. Etwa den intelligenten Stromzähler, der Stromfresser entlarvt und Einsparpotenziale aufschlüsselt. Die Kinder der Bachmanns freuen sich eher über Smartphones für die ganze Familie und individuelles Internetfernsehen.


„Jeder Haushalt kann in die neuen Anwendungen einsteigen und sein Leben besser gestalten“, würdigte die Bundeskanzlerin die Alltagstauglichkeit der T-City-Lösungen. Gerade für ländliche Regionen böten sich hier enorme Chancen. „Ich glaube, dass Deutschland bei den Internetanwendungen eine beeindruckende wirtschaftliche Zukunft haben kann, wenn alle die einfordern“, sagte sie.

Merkel rief die Menschen ebenso wie die Unternehmen auf, am Ball zu bleiben und offen für Neues zu sein. Um den hohen Wohlstand des Landes gelte es jeden Tag neu zu kämpfen. Seit den Tagen des Grafen Zeppelin sei gerade in Baden-Württemberg viel erreicht und geleistet worden. „Aber Deutschland hat den Fortschritt nicht gepachtet“, mahnte Merkel.

Mittwoch, 23. Februar 2011