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Deutscher Bauerntag

Bekenntnis für eine starke Landwirtschaft

Großer Dank gelte den Landwirtinnen und Landwirten, die tagtäglich für unsere Lebensmittel sorgten, sagte Kanzlerin Merkel auf dem Deutschen Bauerntag. Zugleich stehe die Landwirtschaft vor enormen Anforderungen im europäischen Kontext, bei der Nutztierhaltung, aber auch beim Natur- und Klimaschutz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf dem Deutschen Bauerntag. "Wir haben unseren Landwirtinnen und Landwirten außerordentlich viel zu verdanken", so Merkel. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Die Bäuerinnen und Bauern seien alle maßgeblich daran beteiligt, "dass wir alle unser tägliches Brot auf dem Tisch haben", so Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin. Die Kanzlerin versicherte: "Mir ist es ein großes Anliegen, zu betonen: Wir stehen zu Ihnen."

Lebensmittelverschwendung eindämmen

Für viele sei es normal, ein großes Angebot an Lebensmitteln zur Verfügung zu haben, so Merkel. Zugleich würden die Deutschen im internationalen Vergleich dafür wenig bezahlen. Die niedrigen Preise dürften aber nicht dazu führen, dass die Produkte nicht geschätzt würden und damit die dahinter stehende Arbeit. "Wir als Bundesregierung setzen uns dafür ein, den Menschen bewusst zu machen, wie Landwirtschaft heute funktioniert und welcher Aufwand dahinter steckt", sagte die Kanzlerin.

Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll. Mit der Kampagne "Zu gut für die Tonne" soll das Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher für Lebensmittel geschärft werden.

Auch in der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung sei das Ziel formuliert, bis 2030 weltweit die Nahrungsmittelverschwendung zu halbieren.

Hohe Erwartungen der Verbraucher

Die Erwartungen der Verbraucher an die Landwirtschaft seien eindeutig: Die Größe der Ställe und die Nutztierhaltung insgesamt würden hinterfragt, Lebensmittel sollen umwelt- und ressourcenschonend produziert werden, der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung soll minimiert werden.

Merkel betonte, dass diese Erwartungen nachvollziehbar seien. Dies sei aber "null Komma null Rechtfertigung dafür, den bäuerlichen Berufsstand an den Pranger zu stellen." Sie erinnerte an die Arbeitszeiten der Bäuerinnen und Bauern, die sich an 365 Tagen im Jahr früh und abends um ihre Tiere kümmerten. Dies müsse von der Gesellschaft geachtet werden.

Ausrichtung der Tierhaltung überdenken

Die Nutztierhaltung ist eine Haupteinkommensquelle der deutschen Landwirtschaft. Fast 70 Prozent der Betriebe halten Vieh. Die Bundeskanzlerin betonte: "Damit der Absatz weiter stimmt, brauchen wir Formen der Haltung, die akzeptiert werden." Dabei gehe es um Fragen des Tierwohls und des Tierschutzes.

Dazu habe die Bundesregierung die Initiative "Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl" gestartet. Ziel sei, über alle Lebensphasen der Tiere hinweg für bessere Haltungsbedingungen zu sorgen und das Verbrauchervertrauen zu stärken. Ein neues staatliches Tierwohl-Label soll helfen, tierschutzgerecht erzeugte Produkte zu erkennen, um Kaufentscheidungen auch bewusst treffen zu können.

Dieses Beispiel zeige auch, "wie wir alle miteinander gefordert sind. Landwirtschaft, Politik und Konsumenten müssen zusammen an einem Strang ziehen. Wir müssen mehr miteinander statt übereinander reden. Wir brauchen einen breiten Dialog darüber, wie die Landwirtschaft von morgen aussehen soll", betonte Merkel in ihrer Rede.

Zugleich ermunterte Merkel die Bäuerinnen und Bauern, ein modernes und realistisches Bild ihrer Arbeit zu zeigen. "Etwa drei Viertel der Milchkühe sind inzwischen so untergebracht, dass sie sich frei bewegen können. Antibiotika kommen seltener als früher zum Einsatz. Die Gesamtmenge hat sich zwischen 2011 und 2015 mehr als halbiert."

Unterstützung in der Milchkrise

Als besondere Herausforderung hob Merkel den Preisverfall der Milch 2016 hervor. Dieser habe die Milchbauern, aber auch die Schweinezüchter ganz besonders stark betroffen. Die Bundesregierung habe schnell reagiert: 2016/17 sind auf EU- und nationaler Ebene zwei Hilfspakete aufgelegt worden. Die finanzielle Unterstützung belief sich auf fast 600 Millionen Euro.

Landwirtschaft wirke sich immer auf die Natur und das Landschaftsbild aus – das bringe die Produktion von Lebensmitteln mit sich, so Merkel. Hier gebe es zwangsläufig unterschiedliche Ansprüche und Erwartungen: "Da gilt es, Produktivität, Qualität, Einkommenssicherung und niedrige Preise sowie Umwelt-, Natur- und Klimaschutz immer wieder zusammenzubringen." Da gebe es natürlich auch Zielkonflikte, aber sie dürften nicht einseitig zulasten einer Gruppe gelöst werden.

Globale Ernährung sicherstellen

Die Weltbevölkerung wächst rasant – Fragen der globalen Ernährungssicherung sind zu beantworten. Mit der Agenda 2030 seien ehrgeizige Ziele gesetzt, erinnerte die Bundeskanzlerin: "Wir als Bundesrepublik Deutschland versuchen, als guter Partner unseren Beitrag zur Bekämpfung der humanitären Not zu leisten", erklärte sie.

"Aber wir müssen vor allen Dingen auch den strukturellen Ursachen von Hunger und Armut begegnen. Wir müssen unsere Entwicklungshilfe sehr viel mehr als bisher auch als Zusammenarbeit für die wirtschaftliche Entwicklung in den unterentwickelten Ländern sehen. Das heißt, wir müssen die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessern", so Merkel.

Zukünftige Anforderungen an die Landwirtschaft

Vor allem die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU nach 2020 stelle eine Herausforderung für die Landwirtschaft dar. Der Austritt Großbritanniens bringe neue Anforderungen an den EU-Haushalt mit sich, aber auch die neuen Bedingungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, der Migrationspartnerschaften und der Sicherheitsausgaben, sagte die Kanzlerin.

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Weiterentwicklung der ländlichen Räume: Das Leitbild der Bundesregierung sei, überall in Deutschland für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen. So "haben wir zum Beispiel die sogenannte 'Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz' zur 'Gemeinschaftsaufgabe Ländliche Entwicklung' fortentwickelt. Wir werden verstärkt strukturschwachen Gebieten Infrastrukturinvestitionen ermöglichen und auch Kleinstbetriebe außerhalb der Landwirtschaft unterstützen", so Merkel.

Das erstrecke sich im Grunde von den Einkaufsmöglichkeiten über die ärztliche Versorgung bis zur Schulversorgung und "eine anständige Breitbandversorgung". "Wir werden unser Ziel erreichen, 2018 jeden Haushalt mit 50 Megabit pro Sekunde angeschlossen zu haben", zeigte sich die Kanzlerin entschlossen.

Die Bundeskanzlerin nahm auf Einladung des Deutschen Bauernverbandes am Deutschen Bauerntag teil. Dieser findet vom 27. bis 29. Juni in Berlin unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten!" statt.

Mittwoch, 28. Juni 2017