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Beim Weltfinanzgipfel gemeinsam handeln

Deutschland und China wollen bei der Überwindung der Finanzmarktkrise eng zusammenarbeiten. "Die Krise zeigt, dass wir sie nur global lösen können", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Gespräch mit dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao in Peking.

Gemeinsam wollten Deutschland und China zum Aufbau einer neuen internationalen Finanzordnung beitragen, sagte die Kanzlerin. China ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch ein wichtiger Partner. "China wird künftig eine immer wichtigere Rolle spielen", so Merkel.

Es ist bereits die dritte Reise der Bundeskanzlerin nach Peking, und das sei auch "richtig und wichtig", betonte sie. Die Bundeskanzlerin verbindet ihre Teilnahme an der Asien-Europa-Konferenz mit intensiven bilateralen Gesprächen. Dabei kam sie sowohl mit Wen Jiabao als auch mit dem chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao zusammen. 

Hu bedankte sich für die deutsche Hilfe nach dem Erdbeben in China im Mai diesen Jahres. Deutschland sei das Land in Europa, "das China nach dieser Katastrophe am meisten geholfen hat", sagte Hu. "Das ist ein klarer Ausdruck der Freundschaft seitens der deutschen Regierung und Bevölkerung gegenüber China."

Wirtschaftliche Beziehungen wichtig

Auch wenn über die ganze Bandbreite der Beziehungen gesprochen wurde, nehmen die wirtschaftlichen Beziehungen doch einen besonders "hohen Stellenwert" im deutsch-chinesischen Verhältnis ein, betonte Merkel. Mehrere Top-Manager deutscher Unternehmen begleiten die Kanzlerin auf ihrer Reise. Jürgen Thumann, Präsident des Bundes der Deutschen Industrie (BDI) und in Peking mit dabei, bekräftigte die Bereitschaft der deutschen Wirtschaft, in China zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao sprach sich ebenfalls für stärkere Kontakte von Wirtschaft und Wissenschaft aus. Die enge Zusammenarbeit beider Länder sei von strategischer Bedeutung, sagte Wen.

Deutsche Qualität "Made in China"

Beim Besuch des Beijing Benz DaimlerChrysler Automotive Werk (BBDC) 20 Kilometer südöstlich von Peking wurde dann einmal mehr deutlich, wie rasant sich die chinesische Wirtschaft entwickelt. Beeindruckt von der offensichtlichen Effizienz des Werkes, ließ sich die Kanzlerin von der Montage bis zur Qualitätssicherung genau die Herstellung der C- und E-Klasse-Autos erklären. Beachtlich fand sie den großen Anteil weiblicher Arbeitskräfte in den technischen Berufen. 

Eigenhändig schnitt Merkel das vorbereitete rote Band durch, und der 25.000. Mercedes "Made in China" lief vom Band. 

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Bereits seit fünf Jahren ist China Deutschlands größter Handelspartner in Asien.

Im vergangenen Jahr wuchs der Handel zwischen beiden Ländern um 10 Prozent. Deutschland exportierte Waren im Wert von 30 Milliarden Euro nach China. Aus China kamen Erzeugnisse für über 55 Milliarden Euro.

Auch im ersten Halbjahr dieses Jahres waren Steigerungen zu verzeichnen: Die deutschen Exporte nach China nahmen um 20 Prozent zu, die Importe aus China um sechs Prozent.

Merkel und Wen Jiabao sprachen indes nicht allein über wirtschaftliche Fragen. Neben internationalen Themen kamen auch Menschenrechtsfragen zur Sprache. "Der Dialog mit dem Dalai Lama ist von großer Bedeutung", konstatierte Merkel. Zugleich machte sie klar, dass Deutschland an seiner Ein-China-Politik festhält, also die territoriale Integrität Chinas nicht in Frage stellt.

Nicht immer einer Meinung, aber auf gemeinsamen Weg

Auf diesem Fundament ließen sich auch schwierige Fragen diskutieren, sagte die Bundeskanzlerin. Die Tatsache, dass der inhaftierte chinesische Dissident Hu Jia just zum Zeitpunkt ihres Besuchs in Peking den Sacharow-Preis erhielt, könne den bevorstehenden Asem-Gipfel nicht überschatten.

"Wir haben uns immer für seine Freilassung eingesetzt", so die Kanzlerin. Hier bestünden zwar Meinungsverschiedenheiten mit Peking, aber beide Seiten hätten den festen Willen, einen gemeinsamen Weg zu gehen. Dafür müsse man nicht immer und in jeder Frage einer Meinung sein.

Die Kanzlerin hielt auch bei diesem Besuch an ihrer Tradition fest und traf Vertreter der Zivilgesellschaft. Diesmal sprach sie mit Intellektuellen, Literaten sowie Journalisten. Sie berichteten der Kanzlerin, dass die Olympischen Spiele China ein Stück weit geöffnet hätten.

Die Regierung habe auch die Arbeitsbedingungen für Journalisten verlängert, die während der Olympischen Spiele herrschten. "Das wurde als ein sehr positiver Ansatz gewertet", so Merkel nach ihrem Gespräch. 

Freitag, 24. Oktober 2008