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Live-Schalte ins Weltall

"Das Universum kümmert sich nicht um uns"

Schwerelos, 400 Kilometer von der Erde entfernt - seit mehr als 90 Tagen ist Alexander Gerst nun an Bord der ISS im All. Bundeskanzlerin Merkel hat ihn gemeinsam mit den Preisträgerinnen und Preisträgern von "Jugend forscht" interviewt und erfahren, was alles in den letzten Monaten passiert ist. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in einer Live-Schalte mit ISS-Kommandant Alexander Gerst. "Geht es heute gut und freuen Sie sich auf uns?", fragt Merkel zu Beginn der Live-Schalte mit Gerst. Foto: Bundesregierung/Kugler

"Ich freue mich sehr und die 70 Preisträger von 'Jugend forscht' freuen sich auch sehr, dass wir heute kurz mit Ihnen reden können. Ich hatte zweimal die Freude, die ISS über der Uckermark vorbeifliegen zu sehen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Beginn der Live-Schalte. Alexander Gerst antwortete prompt, dass er die Außenlichter über der Uckermark mit Absicht angelassen habe, um besser gesehen zu werden. Außerdem gehe es ihm "fantastisch".  

An die Menschen auf der Erde appellierte Gerst: "Das Universum kümmert sich nicht um uns." Wir müssten auf unsere Erde aufpassen, sie sei erschreckend zerbrechlich.

Wie wird man eigentlich Astronaut?

Nach der Begrüßung leitete Merkel über an die jungen Fragesteller. Den Anfang machte Adrian Fleck. Zusammen mit seiner Schwester Anna Fleck hat der 19-Jährige den Preis der Bundeskanzlerin für die "originellste Arbeit" im Wettbewerb "Jugend forscht" bekommen.

Das Geschwisterpaar aus Fulda hat Silikonhüllen entwickelt, die mit stärkehaltiger Flüssigkeit gefüllt sind und bei hoher Krafteinwirkung erstarren. So können Gelenke, Rücken oder Schultern bei Stürzen durch Inlineskaten oder beim Motorsport geschützt werden.

"Haben Sie bereits ein Experiment durchführen können, das Ihnen besonders am Herzen liegt und wenn ja welches", wollte Adrian wissen.

Die ISS "ist ein einzigartiges Labor; die komplexeste Maschine, die die Menschheit je gebaut hat", antwortete Gerst. An Bord seien um die 300 Experimente, fast 40 davon mit deutscher Beteiligung. Gerst berichtete unter anderem von einem Experiment mit Krebszellen. Im Gegensatz zur Erde würden diese im All dreidimensional wachsen. Da das dreidimensionale Wachstum dem Körper viel ähnlicher sei, könnten Medikamente deshalb besser getestet werden.

Die nächste Frage drehte sich darum, ob die ISS das Tor zu einem neuen Leben außerhalb der Erde sei. Für Gerst ist klar, die ISS sei vor allem ein "Testschiff". Es gehe nicht darum, die Erde umzusiedeln, sondern darum, dass die Menschen ihre Umwelt besser kennenlernten. "Wir müssen wissen, was da draußen ist", so Gerst.

Als die Jugendlichen wissen wollten, was "Astro Alex" ihnen rate, um den Planeten Erde besser zu schützen, nutzte Gerst die Gelegenheit und lobte den Ideenreichtum der jungen Forscherinnen und Forscher: "Ich sehe, dass Sie genügend Ideen haben, die meisten davon sehr viel besser als meine." Gerst selbst versuche vor allem, die Perspektive, die er im All bekomme, weiterzugeben. So etwas Großes wie die Erde erscheine plötzlich endlich - "im Angesicht der Unendlichkeit". Diese Erkenntnis habe sein Leben verändert.

Schließlich wurde Gerst gefragt, wie man den Berufsweg Astronaut beschreiten könne. Gerst antwortete lachend: "Mir ist auch nicht ganz klar, wie ich es hierher geschafft habe." Sein Trick: "Ich war schon immer neugierig". Er habe sich schon immer für Naturwissenschaften interessiert und nie zu schnell aufgegeben. Wichtig sei, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und die Gelegenheiten beim Schopf zu packen.

Bundesregierung fördert Raumfahrt weiter

Im August hatte bereits Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit Gerst telefoniert. Der Minister kündigte an, die Raumfahrt in Deutschland weiter intensiv zu fördern. Der Haushalt 2018 stelle gut 80 Millionen zusätzlich bereit. Die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich könne bis Ende des nächsten Jahrzehnts verdoppelt werden, so Altmaier.

Alexander Gerst war Anfang Juni mit einem russischen Piloten und einer amerikanischen Ärztin zur Forschungs-Mission "Horizons" ins All gestartet.

Europa ist über die Europäische Weltraumorganisation ESA einer von fünf internationalen Partnern bei Aufbau, Betrieb und Nutzung der ISS (neben Japan, Kanada, Russland, USA). Bis Ende 2016 haben die Beteiligten rund 100 Milliarden Dollar beigetragen. Deutschland trägt 39 Prozent des europäischen Anteils an der internationalen Mission. Die Bundesregierung investiert jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Forschung im Bereich Luft- und Raumfahrt.

Donnerstag, 06. September 2018