Navigation und Service

Inhalt

"Ich verneige mich vor den Opfern"

"Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann das tragischste Kapitel in der Geschichte Europas", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Danzig. Dort nahm sie an der Gedenkfeier zum 70. Jahrestages des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges teil.

Polnischer Kriegsveteran Er war vor siebzig Jahren dabei. Foto:

Auf Einladung des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk hatten sich an der Gedenkstätte "Westerplatte" 20 Regierungschefs versammelt. Unter ihnen waren der Ministerpräsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin und sein französischer Amtskollege, François Fillon. Gemeinsam erlebten sie die Kranzniederlegung polnischer Soldaten auf dem "Friedhof der Verteidiger".

Sich der Verantwortung stellen

„Der von Deutschland entfesselte Krieg brachte unermessliches Leid über viele Völker – Jahre der Entrechtung, der Erniedrigung und der Zerstörung“, unterstrich die Bundeskanzlerin. Kein Land habe so lange unter deutscher Besatzung gelitten wie Polen.

Merkel gedachte der 60 Millionen Menschen, die durch diesen von Deutschland entfesselten Krieg ihr Leben verloren haben. „Es gibt keine Worte, die das Leid dieses Krieges und des Holocaust auch nur annähernd beschreiben könnten. Ich verneige mich vor den Opfern.“

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Die Gräuel des Zweiten Weltkriegs könne man nicht ungeschehen machen. „Aber die Zukunft im Bewusstsein unserer immer währenden Verantwortung gestalten – das ist unser Auftrag“, betonte die Bundeskanzlerin.

In diesem Geist habe sich Europa aus einem Kontinent des Schreckens und der Gewalt in einen Kontinent der Freiheit und des Friedens verwandelt. Deutschlands Partner in Ost und in West haben diesen Weg durch Versöhnungsbereitschaft geebnet.

Vollendet worden sei der Weg Europas zur Freiheit mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, sagte Merkel. Die Deutschen würden nie vergessen, dass in der Tradition der Solidarność in Polen die Menschen damals überall das Tor zur Freiheit mutig aufgestoßen haben.

So lag es in der besonderen deutschen Verantwortung, Polen und den anderen Staaten Mittel- und Osteuropas auf dem Weg in die EU und die Nato zur Seite zu stehen.

Die Einladung zur Gedenkfeier berühre sie sehr, bekannte die Bundeskanzlerin. „Ich verstehe dies als ein Zeichen unserer vertrauensvollen Nachbarschaft, engen Partnerschaft und unserer wirklichen Freundschaft.“

Gedenkstätte Westerplatte
Die Westerplatte war ein strategisch wichtiger Punkt zur Kontrolle des Danziger Hafens. Ende des 18. Jahrhunderts baute hier der preußische Staat vier mächtige Redouten. 1924 wurde die Westerplatte dem polnischen Staat als Munitionsdepot zur Erbpacht zugestanden. Heute befindet sich dort eine historische Gedenkstätte.

Der Name Westerplatte ist für jeden Polen ein Begriff. Am Morgen des 1. September 1939 feuerte das in Danzig vor Anker liegende deutsche Kriegsschiff Schleswig-Holstein auf das gegenüber liegende polnische Munitionslager. Diese  Schüsse gelten als der Beginn des Zweiten Weltkriegs. 200 polnische Soldaten verteidigten den Posten sieben Tage lang. Ihr Einsatz ging als Symbol des Widerstands gegen die Deutschen in die polnische Geschichte ein. Die Ruinen der Kasernen und der Betonbunker erinnern an diesen Kampf. Zu Ehren der Helden der Westerplatte wurde 1966 am äußersten Zipfel der Landzunge ein monumentales Denkmal nach Entwürfen von Franciszek Duszenko und Adam Haupt aufgestellt.

Friedhof der Verteidiger
An der Stelle des am 2. September 1939 zerbombten Wachhauses Nummer 5 befindet sich die Ruhestätte der auf der Westerplatte gefallenen polnischen Soldaten. An 15 kleinen Kreuzen sind die Namen der Gefallenen und ihre Todesdaten zu lesen. In der Mitte, unter dem größeren Kreuz aus dem Jahr 1971, ist die Urne des im Jahr 1946 in Neapel verstorbenen Kommandeurs Henryk Sucharski begraben. Das in der Nähe stehende Betonkreuz erinnert an die höchste militärische Auszeichnung, die den Verteidigern verliehen wurde.

Dienstag, 01. September 2009