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Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Samstag, 25. April 2015

Laufende Nr.:
157
Ausgabejahr: 
2015

Kondolenztelegramm von Bundeskanzlerin Merkel an die Ministerpräsidentin ‎der Republik Polen, Ewa Kopacz

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,

mit großer Trauer habe ich vom Tod Władysław Bartoszewskis ‎erfahren. Er war ein Mann des Geistes und der Tat. Ein Mann der Weitsicht und des Muts, ein unbeugsamer Streiter für Freiheit und für Versöhnung.

Das gilt für die Jahre im Widerstand gegen Deutschland während des Nationalsozialismus.  Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager Auschwitz nahm er am Warschauer Aufstand teil. Statt angesichts des unermesslichen Leids am Leben zu verzweifeln, bitter zu werden oder auf Rache zu sinnen, hat er unbeirrbar seinen Einsatz für Freiheit und Versöhnung fortgesetzt. Er wollte ähnliches Leid nie wieder zulassen. So wurde er zu einem der Gerechten unter den Völkern.

Auch nach dem Kriegsende wurde er von den neuen Machthabern verfolgt und verbrachte lange Jahre im Gefängnis, wegen angeblicher Konspiration für den Westen. Er hatte mit seinem Engagement für Solidarnosc Anteil an der Überwindung von kommunistischer Bevormundung und hat zum Ende der Teilung Europas beigetragen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde er als polnischer Außenminister ein Antreiber der europäischen Einigung.

Schon sehr früh hat er sich in besonderem Maße den deutsch-polnischen Beziehungen gewidmet. Er knüpfte noch zu Zeiten der Teilung Deutschlands Kontakte zu beiden deutschen Staaten und Gesellschaften. Polen und Deutsche sollten in Erinnerung an die schlimme Vergangenheit eine bessere gemeinsame europäische Zukunft gestalten. Mit einer einzigartigen Persönlichkeit hatte er eine besondere, zuweilen auch streitbare Autorität, von uns immer wieder neue Bemühungen um die Stärkung der Bindungen unserer beiden Länder einzufordern.

Bis zu seinem letzten Atemzug hat er sein Leben in den Dienst von uns allen gestellt. Übermorgen, am Montag, den 27. April, sollte er das Schlusswort bei den Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen sprechen. Sein Schweigen wird uns tief berühren. Wir werden ihn vermissen, wir werden uns seiner gemeinsam in großer Dankbarkeit erinnern. Wir verneigen uns vor dem Lebenswerk und der Humanität dieses großen Menschen.

Mit stillem Gruß

Angela Merkel
Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland