Navigation und Service

Inhalt

Gleichstellung

Die Quote kommt

Die Frauenquote für börsennotierte Unternehmen wird kommen, hat Bundeskanzlerin Merkel bei der zweiten Konferenz "Frauen in Führungspositionen" bekräftigt. Die Argumente des Für und Wider seien bekannt: "Noch länger darüber zu diskutieren, wäre müßig."

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf der zweiten Konferenz zu "Frauen in Führungspositionen" Bundesregierung hält an der Frauenquote fest: Bis 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten. Foto: Bundesregierung/Denzel

100 weibliche Führungskräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie Studentinnen aus naturwissenschaftlich-technischen Fächern hatte Bundeskanzlerin Merkel zum Meinungsaustausch eingeladen.

Zur aktuellen Debatte um die Frauenquote stellte die Bundeskanzlerin klar: "Es ist beschlossen, die Quote kommt." Frauen in Top-Positionen seien "immer noch eine Rarität." Im vergangenen Jahr sei die Zahl der weiblichen Vorstände in Deutschland sogar gesunken. Die Argumente des Für und Wider seien bekannt. Es sei daher müßig, weiter über die Einführung der Quote zu diskutieren, sagte Merkel.

Bundesfamilienministerin Schwesig betonte, nicht erst die jüngsten Umbesetzungen in den Vorständen zahlreicher börsennotierter Unternehmen hätten gezeigt, dass die Selbstverpflichtungen der Wirtschaft nicht zu einem Anstieg des Frauenanteils geführt haben. Sie rechnete vor, dass es beim derzeitigen Tempo noch 118 Jahre dauern werde, bis eine 40prozentige Quote erreicht sei. "Darauf, so glaube ich, will hier keiner warten", sagte Schwesig.

Vorteile für die Unternehmen

Merkel unterstrich, nach Einführung einer Quote würden dann alle merken, dass das Leben dadurch nicht schlechter werde. Denn schließlich sei bekannt, dass es auch für Unternehmen besser sei, "wenn Frauen in Führungspositionen dabei sind". Es gehe nicht um ein Gegeneinander der Geschlechter, sondern um ein faires Miteinander.

Aber man dürfe sich allerdings nichts vormachen: Führungspositionen seien beliebt, sie bedeuteten Macht und Gestaltungsspielraum. "Teilen von etwas sehr Schönem fällt immer auch schwer. Deshalb müssen wir jetzt diese Quote machen und sie wird dann automatisch zum Umdenken führen", zeigte sich Merkel überzeugt.

Umdenken angemahnt

In der Diskussion wurde ein Thema immer wieder angesprochen: der notwendige Wandel der Rollenbilder. Es brauche mehr Partnerschaftlichkeit in der Gesellschaft. Solange man beim Thema Erziehung und Kinder immer automatisch an die Mütter und nicht an die Väter denke, werde sich nur wenig bewegen. Es brauche neue Rollenbilder für Frauen wie Männer.

Auch die Unternehmen müssten zu einer neuen Unternehmenskultur kommen. Eine Frau als Chefin müsse ebenso normal sein wie Männer, die in Teilzeit arbeiten. Auch die "Kultur der Verfügbarkeit" - also lange Arbeitstage oder uneingeschränkte Erreichbarkeit an Wochenenden - müsse aufgebrochen werden. Diese Prozesse dauerten aber lange und glichen "dem Ritt auf einer Schnecke", sagte eine Unternehmerin.
Doch parallel zur politischen Diskussion müsse immer wieder auch der gesellschaftliche Dialog darüber geführt werden, was Chancengleichheit bedeute.

Merkel: nächstes Treffen Frühjahr 2016

Die Bundeskanzlerin machte den Teilnehmerinnen ein Angebot: Die Bundesregierung werde die Quote einführen. Man werde erste Erfahrungen sammeln und merken, dass das Leben "ganz ruhig weitergeht". Im Frühjahr 2016 solle es dann die nächste Konferenz zum Thema im Kanzleramt geben.

Mittwoch, 15. Oktober 2014