Unterwegs

Eisberge als Zeugen des Klimawandels

Fr, 17.08.2007
Merkel auf einem Forschungsschiff vor dem Gletscher
Foto: REGIERUNGonline/Bergmann
40 Kilometer lang und sieben Kilometer breit - Eisfjord in der Nähe von Ilulissat
Zwei Tage lang hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Grönland über die Folgen der globalen Erderwärmung informiert. Der Ausflug in die Region nördlich des Polarkreises führte den Klimawandel direkt vor Augen. Deshalb war der Eisfjord in der Nähe der westgrönländischen Stadt Ilulissat der wichtigste Punkt auf ihrem Programm.

Wenn riesige Eisblöcke mit ohrenbetäubendem Donnern vom Sermeq-Kujalleg-Gletscher in den Eisfjord der westgrönländischen Stadt Ilulissat brechen, ist das für Touristinnen und Touristen eine Attraktion. Für Forschende ist das Abbrechen der Eisberge ein starkes Warnsignal.
 
Die Experten des Weltklimarats (IPCC) gehen davon aus, dass nur noch weniger als 15 Jahre bleiben, um das Abschmelzen des Eisschilds in Grönland zu verhindern. Daten der US-Weltraumbehörde NASA zufolge verliert Grönland jedes Jahr 220 Quadratkilometer Eis - doppelt so viel wie noch 1996.


Bundeskanzlerin Merkel, Umweltminister Gabriel und der dänische Ministerpräsident Rasmussen

"Wir müssen wichtige klimatische Prozesse sichtbar machen", sagte Merkel kurz nach ihrer Ankunft. Nur dann könne mit "Elan und Tatkraft" dagegen vorgegangen werden. Die Schönheit der Landschaft beeindruckte sie tief. Umso bestürzender seien die Spuren des Klimawandels. Immerhin hat das Volumen des Gletschers, ein UNESCO-Welterbe, in den vergangenen Jahren enorm abgenommen. Er fließt inzwischen mit einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Tag.
 
Am Freitag machte Kanzlerin einen Rundflug über die Eislandschaft. Bei einer kleinen Forschungsstation am Eqi-Gletscher, beim sogenannten Truffer Camp, landete sie. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiteten sie auf ihren Touren über die Insel. Die Zahl der Eisberge habe sich zwar erhöht, aber sie seien auch kleiner geworden, erklärten sie. In Grönland habe sich die Durchschnittstemperatur bereits um 1,5 Grad erhöht.

Die Bundeskanzlerin wurde auf Ihrer Reise von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel begleitet. Auch der dänische Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen und der Ministerpräsidenten der grönländischen Selbstverwaltung Hans Enoksen waren dabei.

Mit einer Fläche von rund 2,2 Millionen Quadratkilometer ist Grönland mehr als sechs Mal so groß wie Deutschland. Aber nur 56.000 Menschen wohnen dort. Knapp 85 Prozent Grönlands sind von Jahrtausende altem Eis bedeckt. Die Eisdecke beträgt zwischen 2.500 und 3.000 Meter.

Grönland zählt politisch zu Dänemark, hat jedoch eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament. Dänemark ist seit 1979 vor allem für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. 

Schwerpunkt Klimapolitik

Die Reise nach Grönland ist die erste in einer Reihe von Auslandsbesuchen, bei denen sich die Kanzlerin den Klimaschutz zum Schwerpunkt gesetzt hat. Eingeladen hat sie der dänische Ministerpräsident. Rasmussen denkt schon an die neuen Weltklimaverhandlungen, die Ende das Jahres in Bali beginnen. Die Schlussfolgerungen könnten 2009 in Kopenhagen beschlossen werden.

Bereits Ende nächster Woche wird Merkel nach China und Japan reisen. Auch dort wird sie als amtierende G8-Präsidentin für ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele werben. Japan übernimmt nach Deutschland den G8-Vorsitz. China gehört zu den fünf Schwellenländern, mit denen die G-8 in den nächsten Jahren eng zusammenarbeiten will.

>> Durchbruch beim Klimaschutz

Ende September wird die Kanzlerin vor der Uno-Vollversammlung in New York reden. Es folgen das von der deutschen G8-Präsidentschaft angekündigte und vorbereitete Treffen der so genannten Outreach-Staaten und der G8 zum Klimawandel. 

Aber auch innenpolitisch steht das Thema weit oben auf der Agenda. In der nächsten Woche wird die Bundesregierung in Meseberg diskutieren, wie Klimaschutzziele national umgesetzt werden.