Tusk setze auf ein "klares Bekenntnis zu Toleranz und Vielfalt" sowie das Prinzip "Kooperation statt Konfrontation", betonte die Bundeskanzlerin, die selbst vor zwei Jahren mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden war.
Sie dankte dem polnischen Premierminister insbesondere für sein unermüdliches Eintreten für den Lissabon-Vertrag. Durch die Unterzeichnung dieses europäischen Vertrages sei die EU auf eine "erneuerte vertragliche Grundlage" gesetzt worden.
Die gegenwärtige Krise um die Zukunft des Euro nannte die Kanzlerin die größte Bewährungsprobe, die Europa seit 1990, womöglich noch seit viel längerer Zeit, zu bestehen habe. "Diese Bewährungsprobe ist existenziell", stellte sie fest.
Diese Bewährungsprobe müsse bestanden werden. Gelinge das nicht, seien die Folgen unabsehbar. Die Rettung des Euro sei so wichtig, weil alle spürten: "Scheitert der Euro, dann scheitert nicht nur das Geld, dann scheitert mehr, dann scheitert Europa, dann scheitert die Idee der europäischen Einigung."
Die Regierungen hätten den Bürgern die Stabilität des Euro und der Preise versprochen. "Dieses Versprechen müssen wir einhalten", mahnte Merkel.
Die Krise müsse Anlass sein, Mängel an der europäischen Architektur zu beheben, forderte die Kanzlerin. Die europäischen Staats- und Regierungschefs müssten dabei auch "vertragliche Konsequenzen" ziehen und Probleme ehrlicher ansprechen.
Europa werde sich stärker wirtschafts- und finanzpolitisch verzahnen müssen. "Und jenseits des Ökonomischen wagen wir vielleicht nach der gemeinsamen Währung weitere Schritte, zum Beispiel den zu einer gemeinsamen Armee", so Merkel.
Der polnische Premierminister erhält den diesjährigen Karlspreis als Vertreter eines weltoffenen Polens, das in das "Herz Europas" zurückgekehrt sei, heißt es in der Begründung. Insbesondere seine Verdienste um die Ratifizierung des Vertrages von Lissabon in Polen werden hervorgehoben.
Tusk sei ein herausragender Streiter für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, der sich dem kommunistischen Regime niemals gebeugt habe. Insbesondere die junge Generation könne er für Europa begeistern. Tusk stehe für Verständigung, Zusammenarbeit und Solidarität.
Der Internationale Karlspreis zu Aachen, der 1950 erstmals vergeben wurde, ist der älteste und bekannteste Preis, mit dem Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet werden, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben. Die Idee des Karlspreises wurde am 19. Dezember 1949 aus der Aachener Bürgerschaft heraus geboren. Namensgeber für den Preis ist Karl der Große.