"Sie haben einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der sozialen Balance in der Krise geleistet", sagte Sommer. Es gelte jetzt, diese Balance auch im Aufschwung zu erhalten. Der DGB-Vorsitzende forderte insbesondere die Arbeitgeber auf, darauf zu achten, dass beim Beschäftigungsaufbau keine missbräuchliche Anwendung der Leiharbeit stattfinde.
Auch die Bundeskanzlerin forderte, die wirtschaftliche Erholung so zu gestalten, dass auch die Arbeitnehmer davon profitierten. Die Menschen hätten in der Krise Verantwortung gezeigt und dürften nun im Aufschwung nicht enttäuscht werden, so die Kanzlerin. Die Bundesregierung werde in Gesprächen mit Wirtschaft und Arbeitgebern darauf achten, dass in dieser Frage der Zusammenhalt der Gesellschaft auch in Zukunft erhalten bleibe.
Merkel und Sommer sprachen auch über das Thema Tarifeinheit. Das zuständige Bundesarbeitsministerium hatte dazu eine Anhörung zu „Tarifeinheit und Koalitionsfreiheit“ mit Vertretern aus Rechtsprechung, Wissenschaft und Praxis veranstaltet. Die Bundesregierung werte die Ergebnisse nun aus, um auf dieser Grundlage sehr schnell und kurzfristig zu entscheiden, sagte Merkel.
Die Bundeskanzlerin lud die Gewerkschaften ein, sich wieder am Ausbildungspakt zu beteiligen. Merkel und Sommer waren sich darin einig, dass alle jungen Menschen in diesem Land eine Ausbildungschance bräuchten. Das sei auch ein Beitrag, den drohenden Fachkräftemangel zu bekämpfen.
Ziel des Ausbildungspaktes ist es, den Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften zu sichern und Jugendliche mit schlechten Startchancen zu qualifizieren. Besonderes Augenmerk soll auf einer frühzeitigen Berufsorientierung sowie der Unterstützung von Altbewerbern und jungen Migranten liegen.
Merkel räumte ein, dass es mit den Gewerkschaften auch kontroverse Themen gebe, wie etwa die Rente mit 67. Die Bundesregierung wird im November hierzu einen Bericht vorlegen, in dem die Entwicklung des Arbeitsmarkes sowie die wirtschaftliche und soziale Situation älterer Arbeitnehmer geprüft wird.
Dieser Bericht werde sorgfältig erarbeitet, betonte die Bundeskanzlerin. Die Bundesregierung nehme die Sorge vieler Menschen, was ein Anstieg des Renteneintrittalters für die eigene Rente bedeute, sehr ernst.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Erwerbstätigkeit der 60- bis 64-Jährigen mehr als verdoppelt und beträgt nunmehr 40 Prozent. Dieser Trend setzt sich - schon aus demografischen Gründen - fort. Denn es kommen immer weniger Jüngere auf den Arbeitsmarkt.