Biokraftstoffe und ihre Herstellung sind auch Gegenstand eines bei Merkels Besuch geschlossenen Abkommens zwischen Brasilien und Deutschland. Die Vereinbarung zielt darauf, die Zusammenarbeit auf verschiedenen Feldern der erneuerbaren Energien zu fördern. Beginnen soll die Kooperation im wissenschaftlich-technischen Bereich.
Deutschland ist nicht nur an nachhaltiger Erzeugung des aus Pflanzen gewonnenen Kraftstoffs gelegen. Auch die Produktions- und Arbeitsbedingungen sollen so weit wie möglich europäischen Standards entsprechen. Das Abkommen sieht deshalb eine Arbeitsgruppe vor, die sich mit den Biokraftstoffen unter den drei Aspekten der Nachhaltigkeit beschäftigen soll: Umweltfreundlichkeit, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung.
Merkel und Lula da Silva erörterten ferner, wie bei aller wirtschaftlichen Entwicklung die Biodiversität der Welt erhalten werden kann. "Brasilien ist das Land mit der größten Artenvielfalt der Welt", führte die Kanzlerin an. Diese Artenvielfalt gelte es zu schützen.
Lula da Silva zeigte sich kooperativ. "Wir wollen unseren Reichtum teilen", sagte er. Allerdings müsse die übrige Welt auch verstehen, dass die Erhaltung der Artenvielfalt etwas koste.
Merkel äußerte Verständnis für die brasilianische Position: Um glaubwürdig zu bleiben, müssten die Industrienationen ihre zugesagten Hilfen an die Entwicklungs- und Schwellenländer einhalten, bekräftigte die Bundeskanzlerin.
Bei einem Treffen mit Menschen der brasilianischen Zivilgesellschaft hatte sie das Thema zuvor aus tropenwissenschaftlicher Sicht und aus Sicht der Landarbeiter dargelegt bekommen. Letztere leiden unter sehr geringer Bezahlung.
In wenigen Tagen beginnt in Bonn die Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen. Auch dort wird Thema sein, wie wirksamer Artenschutz in der globalisierten Welt funktionieren kann – und wie man die damit verbundenen Lasten gerecht verteilt.
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Neben der Energiezusammenarbeit wollen Deutschland und Brasilien ihre im vergangenen Jahr vereinbarte strategische Partnerschaft weiter ausbauen. Insbesondere in der Sicherheitspolitik, der Menschenrechtspolitik und beim Kampf gegen die organisierte Kriminalität haben die Regierungen vor, künftig enger zusammenzuarbeiten.
Verlängert wurde in Brasilia auch der seit 1975 laufende Kooperationsvertrag beider Länder für Atomenergie.
Pressekonferenz Merkel und da Silva
Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Die deutschen Exporte nach Brasilien beliefen sich 2007 auf 6,8 Milliarden Euro, die Einfuhren Deutschlands aus Brasilien auf 8,3 Milliarden Euro. Deutschland nimmt derzeit Platz 4 im brasilianischen Einfuhr-Ranking ein.
Brasilien exportiert nach Deutschland vor allem Eisenerz, Automobile, Kaffee und Kaffeeprodukte, Soja und Fleisch. Bei den brasilianischen Importen aus Deutschland dominieren Fahrzeugteile, chemische Grundstoffe, Kraftfahrzeuge und Maschinen. In Brasilien beschäftigen 1.200 deutsch-brasilianische Unternehmen an die 250.000 Menschen. Deutschland trägt so erheblich zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes bei. São Paulo ist der größte Standort der deutschen Wirtschaft weltweit.
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