Auch heute gebe es Menschen, die behaupteten, der Holocaust habe nie stattgefunden, sagte Obama. "Dieser Ort ist natürlich der endgültige Beweis dafür, dass das nicht richtig ist." Es sei wichtig, gegen jede Form der Intoleranz vorzugehen, forderte der US-Präsident. "Hier an diesem Ort erfahren wir erneut, dass wir immerwährend wachsam sein müssen."
Obama würdigte mit seinem Besuch des Konzentrationslagers auch die selbstkritische Erinnerungskultur in der Bundesrepublik. Er zeigte, dass die Orte der Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts nach wie vor etwas Grundsätzliches zu sagen haben.
"Wir werden nie vergessen"
Es ist Teil der deutschen Staatsraison, die Erinnerung an die Shoah wachzuhalten. Es bleibt jedoch die quälende Frage nach dem Warum? "Warum konnte so etwas geschehen, warum konnte so etwas von Deutschland über Europa und die Welt gebracht werden?" Und weiter sagte die Kanzlerin: "Uns Deutschen bleibt der unbedingte Wille, alles zu tun, dass so etwas nie wieder geschieht."
Merkel dankte Obama dafür, dass er gerade diese Gedenkstätte ausgesucht habe. "Wir Deutschen werden nicht vergessen, dass wir nach dem Krieg die Chance zum Neuanfang, zu Frieden und Freiheit der Entschlossenheit, dem Einsatz und – ja, auch das – dem Blutzoll der Vereinigten Staaten und all derer zu verdanken haben, die an ihrer Seite als Alliierte oder Widerstandskämpfer standen."
Es gelte, im Gedächtnis zu bewahren, dass große Opfer erbracht worden seien, um Deutschland vom Nationalsozialismus zu befreien, so die Kanzlerin.
"Wird die Welt jemals lernen?"
Elie Wiesel begleite Merkel und Obama auf ihrem Rundgang. Er war selbst als Jugendlicher in Buchenwald inhaftiert. 1945 befreiten ihn amerikanische Soldaten.
Sichtlich bewegt hörten Merkel und Obama seiner Rede zu. Er trägt noch heute schwer daran, dass er nicht bei seinem Vater sein durfte, als dieser in den Baracken Buchenwalds starb.
"Wird die Welt jemals lernen?", fragte Wiesel. Er und andere Überlebende hätten gehofft, dass Hass und Rassismus nach Buchenwald keinen Platz mehr hätten. Kambodscha, Ruanda und Bosnien hätten gezeigt, dass die Menschen diese Lektion noch nicht gelernt hätten. Die Überlebenden setzten große Hoffnungen auf Obama und seinen moralischen Anspruch, so Wiesel.
Mit eindringlichen Worten appellierte Wiesel: "Die Zeit ist gekommen, wie wollen nicht mehr auf Friedhöfe gehen. Es gibt genug Waisen, es gibt genug Opfer."
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US-Truppen befreiten das Lager am 11. April 1945. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers eröffnete die Regierung der DDR 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald.
Heute finden sich in der 1991 neugestalteten Gedenkstätte Buchenwald viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.