Eine Rose als Zeichen des Gedenkens

Fr, 05.06.2009
 
Der junge Soldat Payne gehörte 1945 zu den Befreiern des KZ Buchenwald, nun besuchte sein Großneffe Barack Obama das ehemalige Lager - als US-Präsident. Bundeskanzlerin Angela Merkel begleitete ihn. Auch der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel kam an den schrecklichsten Ort seines Lebens zurück.

 

"Wir werden nie vergessen"

 
Es ist Teil der deutschen Staatsraison, die Erinnerung an die Shoah wachzuhalten. Es bleibt jedoch die quälende Frage nach dem Warum? "Warum konnte so etwas geschehen, warum konnte so etwas von Deutschland über Europa und die Welt gebracht werden?" Und weiter sagte die Kanzlerin: "Uns Deutschen bleibt der unbedingte Wille, alles zu tun, dass so etwas nie wieder geschieht."
 
Merkel dankte Obama dafür, dass er gerade diese Gedenkstätte ausgesucht habe. "Wir Deutschen werden nicht vergessen, dass wir nach dem Krieg die Chance zum Neuanfang, zu Frieden und Freiheit der Entschlossenheit, dem Einsatz und – ja, auch das – dem Blutzoll der Vereinigten Staaten und all derer zu verdanken haben, die an ihrer Seite als Alliierte oder Widerstandskämpfer standen."
 
Es gelte, im Gedächtnis zu bewahren, dass große Opfer erbracht worden seien, um Deutschland vom Nationalsozialismus zu befreien, so die Kanzlerin.
 

"Wird die Welt jemals lernen?"

 
Elie Wiesel begleite Merkel und Obama auf ihrem Rundgang. Er war selbst als Jugendlicher in Buchenwald inhaftiert. 1945 befreiten ihn amerikanische Soldaten.
 
Sichtlich bewegt hörten Merkel und Obama seiner Rede zu. Er trägt noch heute schwer daran, dass er nicht bei seinem Vater sein durfte, als dieser in den Baracken Buchenwalds starb.
 
"Wird die Welt jemals lernen?", fragte Wiesel. Er und andere Überlebende hätten gehofft, dass Hass und Rassismus nach Buchenwald keinen Platz mehr hätten. Kambodscha, Ruanda und Bosnien hätten gezeigt, dass die Menschen diese Lektion noch nicht gelernt hätten. Die Überlebenden setzten große Hoffnungen auf Obama und seinen moralischen Anspruch, so Wiesel.
 
Mit eindringlichen Worten appellierte Wiesel: "Die Zeit ist gekommen, wie wollen nicht mehr auf Friedhöfe gehen. Es gibt genug Waisen, es gibt genug Opfer."
 
Häftlinge und US-Soldaten im Konzentrationslager Buchenwald Foto: picture-alliance / akg-images Vergrößerung Befreiung am 11. April 1945Das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar zeigt die dunkelste Seite der deutsche Geschichte. Zwischen Juli 1937 und April 1945 litten Tausende in dem unmenschlichen Arbeitslager. "Jedem das Seine'" war die zynische Inschrift am Eingangstor des Lagers.  Insgesamt waren in dieser Zeit etwa 250.000 Menschen aus allen Ländern Europas inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 11.000 Juden.

US-Truppen befreiten das Lager am 11. April 1945. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers eröffnete die Regierung der DDR 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald.

Heute finden sich in der 1991 neugestalteten Gedenkstätte Buchenwald viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers.