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7. Mai - Anfang vom Ende der DDR

Do, 07.05.2009
Menschen auf der Mauer in der Nähe des Reichstagsgebäudes
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Foto: REGIERUNGonline/Lehnartz
Eine starke Erinnerungskultur stärkt die Bürgergesellschaft
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Zivilcourage der Bürgerrechtler in der DDR gewürdigt. Ohne die Proteste gegen die Fälschung der Kommunalwahlen hätte es keinen Mauerfall gegeben, sagte sie auf der Jubiläumsveranstaltung "Vor 20 Jahren – Am Vorabend der Friedlichen Revolution". Sie forderte dazu auf, einer Verklärung des DDR-Systems entgegenzuwirken und auch in der heutigen Zeit Mut zu zeigen.

Die Kommunalwahlen im Mai 1989 waren der "Anfang vom Ende der DDR", sagte die Kanzlerin. Aber damals hätten die Menschen das nicht gewusst: "Ihr Mut verdient unser aller Respekt", sagte Merkel  im ehemaligen Staatsratsgebäude in Berlin, das heute die European School of Management and Technology beherbergt.
 
Der Bürgerrechtsbewegung sei es zu verdanken, dass wir heute in einem Land leben, in dem Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie herrschen. "Es ist nicht so häufig, dass aus Träumen Wirklichkeit wird", sagte sie. Daraus könne man Selbstbewusstsein und Optimismus auch für die Bewältigung der anstehenden Krise schöpfen.
 

Wahrheit als Fundament der Demokratie

 
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede.Foto: REGIERUNGonline/ Bergmann Vergrößerung Mut in jeder Zeit zeigenDie Geschichte habe sie drei wichtige Erfahrungen gelehrt. "Wahrheit ist das Fundament der Demokratie", ist für die Bundeskanzlerin die Wichtigste. "Wir können und wollen nicht vergessen, welches Unrecht geschehen ist", mahnte Merkel. Die DDR sei das "dichteste System der Überwachung" gewesen, das es weltweit gab. Und die Konsequenz dieses Lebens in Angst sei ein Leben in der Lüge gewesen. Daran müsse erinnert und der Verklärung des Lebens in der DDR entgegengewirkt werden.
 
Ihre zweite Lehre heißt: "Der Glaube an politische Allmacht ist ein Irrglauben". Die Politik könne nicht alles für die Menschen regeln. Die Freiheit sei die Zumutung, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und für sein Handeln und Tun auch verantwortlich zu sein. Schließlich sei die DDR "an der nicht vorhandenen Freiheit" gescheitert.
 

Substanz aufbauen

 
Und schließlich dürften wir nicht über unsere Verhältnisse leben. "Wir müssen Substanz aufbauen", forderte Merkel. Denn was es bedeute, ständig von der Substanz zu leben, habe man an der DDR sehen können. Und Substanz aufbauen heißt: "Wir müssen uns um das Bildungssystem kümmern und an Innovationen arbeiten, die das Land stark machen."
 
Die Kanzlerin erinnerte an den 8. Mai, den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Sie erinnerte daran, dass die deutsche Einheit nur möglich gewesen sei, weil "unsere Nachbarn uns vertraut haben". Dafür sei sie zutiefst dankbar. Dabei müssten die Strukturen, die Freiheit garantieren, immer wieder neu gepflegt werden. Nicht nur im eigenen Land. Denn die Bewahrung von Freiheit, Frieden und Menschenrechte seien keine nationale Angelegenheiten, sondern unteilbar und "gelten weltweit".
 
Vor 20 Jahren -  Am Vorabend der friedlichen Revolution

Teilnehmer der sogenannten Montagsdemonstration auf dem Leipziger Augustusplatz. Foto: REGIERUNGonline/Wenzel Vergrößerung Montagsdemonstration in LeipzigDie zweitägige Festveranstaltung im ehemaligen Staatsratsgebäude würdigt die friedliche Revolution von 1989/90. Sie ist Teil des Jubiläums "Freiheit und Einheit". Damit erinnert die Bundesregierung an die Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren. Der Sturz der SED-Diktatur und der deutsche Einigungsprozess vor 20 Jahren werden auch gewürdigt. 

Die gefälschte Kommunalwahl am 7. Mai 1989 waren auslösende Ereignisse für die Ausreise- und Protestwelle in der DDR des Jahres 1989. Die Aufdeckung des Wahlbetrugs gab der Bürgerrechtsbewegung erheblichen Auftrieb. Als die Ungarn die Grenzbefestigungen im Mai des selben Jahres abbauten, riss der Eiserne Vorhang in Deutschland und Europa.